AfD-Spitzenpolitiker kritisieren Anstellung von Verwandten
AfD-Spitzenkandidat Frohnmaier steht unter Druck. Mitten im Wahlkampf muss er sich gegen Vorwürfe der Vetternwirtschaft wehren. Nun gibt es Kritik an der Anstellungspraxis aus den eigenen Reihen.
Eigentlich sind die beiden ein eingespieltes Team. (Archivbild)Christoph Schmidt/dpa
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Nach Vorwürfen der Vetternwirtschaft unter anderem gegen den baden-württembergischen AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Markus Frohnmaier, haben sich Spitzenvertreter seines Landesverbands von der Beschäftigung von Familienmitgliedern distanziert. „Das hat auf jeden ein Geschmäckle“, sagt etwa Südwest-Fraktionschef Anton Baron der Deutschen Presse-Agentur. Zwar sei die Praxis der Überkreuz-Anstellungen völlig legal. Aber man könne dabei nicht ausschließen, dass es wirklich nur um Leistung gehe. „Wir legen extrem viel Wert auf Leistung und Qualifikation.“
Derzeit sieht sich die AfD Sachsen-Anhalt mit Vorwürfen der Vetternwirtschaft in den eigenen Reihen konfrontiert. Auch der baden-württembergische AfD-Spitzenkandidat Frohnmaier steht in der Kritik. Frohnmaier hatte bestätigt, dass seine Frau für den AfD-Bundestagsabgeordneten Johann Martel arbeitet. Der 34-Jährige selbst weist die Vorwürfe zurück. „Man muss immer mal schauen, wie ist eigentlich jemand für eine Aufgabe qualifiziert, und per se zu sagen, nur weil man irgendwie aus der Familie kommt, darf der nicht mehr Politik machen oder für eine Partei arbeiten, das ist falsch“, sagte Frohnmaier dem SWR. Es komme auf den Einzelfall an.
Frohnmaier ist auch Vize-Fraktionschef der AfD im Bundestag und enger Vertrauter von Parteichefin Alice Weidel. Er will Ministerpräsident Baden-Württembergs werden, kandidiert aber nicht für den Landtag.
Fraktionschef Baron: „Würde sowas nicht tun“
Er wisse von keinem solchen Anstellungs-Fall in seiner Fraktion, sagte der Südwest-Fraktionschef Baron. Aber er kenne auch nicht persönlich alle Mitarbeiter der Abgeordneten. Er selbst würde so etwas aber nicht tun. Baron sagte, er sehe in der bundesweiten Debatte auch ein Problem mitten im Wahlkampf für die AfD. „Das wird gerade ganz groß gespielt“, sagte er. „Ich denke schon, dass das nicht positiv für uns ist.“
Baron betonte später, dass sich die seine Kritik nicht auf Frohnmaier beziehe, sondern rein auf AfD-Kollegen in Sachsen-Anhalt. Ein Unterschied sei etwa die Vielzahl der Fälle in Sachsen-Anhalt, so Baron.
Kritik an der Praxis kommt auch von Co-Landeschef Emil Sänze, der seit Jahren eng mit Frohnmaier den Südwest-Landesverband führt. „Ich begrüße das nicht“, sagte er zu dieser Art von Beschäftigungsverhältnissen. „Für mich arbeitet keiner aus der Verwandtschaft oder dem Bekanntenkreis.“ Sänze sagte, er komme aus dem Bankenbereich, da gebe es strikte Regularien. Auch im Südwest-Landesverband seien ihm keine weiteren solchen Angestelltenverhältnisse bekannt.
Sänze zum Fall Frohnmaier: „Nicht verwerflich“
Gleichzeitig nahm Sänze Frohnmaier auch in Schutz. Dessen Frau habe eine akademische Ausbildung, ihre Anstellung bei dem AfD-Kollegen sei „nicht verwerflich“. Die Fälle würden auch benutzt, um die AfD zu desavouieren. Zudem sei es eine große Herausforderung für die AfD, qualifizierte Leute zu finden. „Die, die zu uns wollen, die scheuen die Öffentlichkeit, weil sie angegriffen werden.“
Später betonte Sänze erneut, dass sich die Kritik nicht auf den Fall Frohnmaier beziehe. „Frau Frohnmaier verdient ihren Job ausschließlich der Qualifikation“, sagte er.