dpa

Abstiegsangst beim VfL Wolfsburg: Wie konnte das passieren?

Der VfL Wolfsburg gehört dem Volkswagen-Konzern und gibt jedes Jahr Millionen für neue Spieler aus. Trotzdem droht an diesem Samstag der Bundesliga-Abstieg. Was lief dort schief?

14.05.2026

Die VW-Stadt Wolfsburg: im Vordergrund die Volkswagen-Arena, dahinter das Volkswagen-Werk.picture alliance / dpa

Die VW-Stadt Wolfsburg: im Vordergrund die Volkswagen-Arena, dahinter das Volkswagen-Werk.picture alliance / dpa

© picture alliance / dpa

Marcel Schäfer von RB Leipzig ist der Favorit. Fabian Wohlgemuth vom VfB Stuttgart offenbar die Alternative. Was klingt wie eine Kandidatenliste für die Wahl zum Bundesliga-Manager des Jahres, sind tatsächlich die möglichen neuen Sport-Geschäftsführer, die seit Wochen beim VfL Wolfsburg gehandelt werden. Für den Neuanfang nach dem großen Abstiegskampf-Finale beim FC St. Pauli (Samstag, 15.30 Uhr/Sky) - ob nun in der ersten oder zweiten Liga.

Die erfolgreichen Namen zeigen: Es gibt bei vielen immer noch eine Fantasie, was man mit dem Volkswagen-Verein alles erreichen könnte. Die große Frage ist gerade deshalb aber auch: Wie konnte das passieren? Wieso droht einem Club erstmals der Bundesliga-Abstieg, der Europas größtem Autokonzern gehört und allein in den vergangenen drei Jahren rund 180 Millionen Euro in neue Spieler investiert hat?

Beim punktgleichen Letzten FC St. Pauli hat der Tabellen-16. Wolfsburg am letzten Spieltag ein echtes Abstiegskampf-Endspiel. Verliert der VfL, muss er in die zweite Liga. Gewinnt er oder spielt er nur Unentschieden, hängt alles vom Ergebnis des 1. FC Heidenheim gegen Mainz 05 ab. Mehr als die Relegation gegen den Tabellendritten der 2. Bundesliga ist für die „Wölfe“ nicht mehr drin. „Ich glaube, dass am Samstag nicht nur ein Stadion gegen uns ist“, sagt Sportdirektor Pirmin Schwegler. „Sondern viele in Deutschland.“

Zwölf Trainer in zehn Jahren

Der Schweizer ist schon der fünfte Sportdirektor in den vergangenen zehn Jahren. Dieter Hecking sogar der zwölfte Trainer in dieser Zeit. Damit ist ein Kernproblem des VfL bereits beschrieben.

Klaus Allofs war auch einmal da. Er holte Hecking 2012 zum ersten Mal nach Wolfsburg und gewann mit dem Club 2015 den DFB-Pokal. Nach über 25 Jahren als Sportchef im deutschen Profifußball kann Allofs (61) in nur drei Worten zusammenfassen, was bei Werksclubs besonders wichtig ist und beim VfL aktuell besonders fehlt: „Eine klare Strategie!“

Pokalsieger 2015: Der damalige Wolfsburger Sportdirektor Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking (r).picture alliance / dpa

Pokalsieger 2015: Der damalige Wolfsburger Sportdirektor Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking (r).picture alliance / dpa

© picture alliance / dpa

„In dieser Saison passt vieles nicht zusammen. Die Zusammensetzung des Kaders, die Geschlossenheit“, sagt der frühere Nationalspieler der dpa. „Es muss immer ein gemeinsames Ziel geben. Und das ist vielleicht etwas, das man in den letzten Jahren beim VfL nicht mehr so klar herausgearbeitet hat.“

Allofs holte Stars

Allofs selbst handelte damals nach der Maxime: Wer in der Champions League mitspielen will, der braucht dafür auch Champions-League-Spieler. Also holte er Stars wie Kevin De Bruyne oder André Schürrle nach Wolfsburg.

Sein Nach-Nachfolger Jörg Schmadtke verpflichtete in erster Linie Toptalente wie Felix Nmecha, die für viel Geld weiterverkauft wurden. Auch dieser Weg führte 2021 noch einmal in die Champions League. Und vor allem: Er folgte einer klaren Strategie.

Wolfsburger Wischiwaschi

Und heute? Für diese Saison holte der VfL unter anderem Dänemarks Rekordnationalspieler von Manchester United (Christian Eriksen), einen deutschen U21-Nationalspieler vom SC Paderborn (Aaron Zehnter) und einen teuren Brasilianer aus der zweiten englischen Liga (Vinicius Souza).

Von den vielen Trainern, die kamen und gingen, lehrte der eine Umschalt- und der nächste wieder Ballbesitzfußball. Ein großes Wolfsburger Wischiwaschi - verantwortet durch den freigestellten Geschäftsführer Peter Christiansen.

Sicher, 2026 ist nicht mehr 2015. Zwischen 70 und 80 Millionen Euro erhält die VfL Wolfsburg Fußball GmbH jährlich von ihrem Mutterkonzern. Das reicht nur noch, um im Budget-Ranking der Bundesliga im Bereich von Platz sechs bis acht zu stehen. Zu Allofs‘ Zeiten war man da noch Dritter. 

Was macht VW im Abstiegsfall?

Vor allem hat der Standort Wolfsburg im Moment noch viel größere Sorgen als den Abstieg seines Bundesliga-Teams. Volkswagen steckt in einer tiefen Krise, die Konzernzahlen einbrechen lässt und Arbeitsplätze bedroht. Die Frage ist deshalb: Wird VW seine Fußballsparte auch dann noch unterstützen, wenn die nur noch zweitklassig ist?

VW-Chef und VfL-Aufsichtsrat: Oliver Blume beim Spiel gegen Bayern München.Swen Pförtner/dpa

VW-Chef und VfL-Aufsichtsrat: Oliver Blume beim Spiel gegen Bayern München.Swen Pförtner/dpa

© Swen Pförtner/dpa

Die Antwort darauf ist klar: „Der Volkswagen-Konzern steht fest zum VfL Wolfsburg. Der Volkswagen-Konzern erfüllt bestehende Verträge“, sagte der VW-Sprecher und VfL-Aufsichtsratschef Sebastian Rudolph dem NDR. Es gebe „liga-unabhängig eine finanzielle Stabilität, die wir liefern, die wir leisten“.

Hierarchisch betrachtet ist die Verzahnung zwischen Club und Konzern sogar noch enger als zu Zeiten der deutschen Meisterschaft 2009. Denn im aktuellen Aufsichtsrat des VfL sitzen unter anderem der Konzernchef, der Aufsichtsrats-Chef und die Betriebsrats-Chefin von VW.

Bei allen von ihnen ist nach den vergangenen Spielen die Hoffnung zurück, dass der Abstieg des VfL Wolfsburg noch einmal verhindert werden kann. Und auch Allofs sagt: „Die Situation sah eigentlich aussichtslos aus. Aber ich glaube, dass sie sich gedreht hat. Aktuell sind sie in einer besseren Verfassung als St. Pauli. Ich sehe das gar nicht so pessimistisch.“

Die Spieler des VfL Wolfsburg nach der Niederlage gegen Bayern München.Swen Pförtner/dpa

Die Spieler des VfL Wolfsburg nach der Niederlage gegen Bayern München.Swen Pförtner/dpa

© Swen Pförtner/dpa