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Bayern in Paris: Ohne den „Boss“ und mit Musialas Emotionen

PSG gegen Bayern - ein größeres Fußball-Duell gibt es in Europa aktuell nicht. Im 50. Saisonspiel sehen sich die Münchner aber mit einem Handicap konfrontiert. Ein Kompany-Assistent muss Chef sein.

27.04.2026

Alles hört auf sein Kommando: Aaron Danks beim Abschlusstraining in Aktion.Sven Hoppe/dpa

Alles hört auf sein Kommando: Aaron Danks beim Abschlusstraining in Aktion.Sven Hoppe/dpa

© Sven Hoppe/dpa

Auf diese unkalkulierbare Ausnahmesituation hätten die vor Kraft und Selbstbewusstsein strotzenden Münchner Triple-Jäger um den rechtzeitig wieder magischen Jamal Musiala liebend gerne verzichtet. Eine Kraftprobe mit Titelverteidiger Paris Saint-Germain um Weltfußballer Ousmane Dembélé ist im Saisonendspurt ohnehin die größtmögliche Prüfung in der Champions League. Noch dazu im Halbfinale und speziell auswärts im hitzigen Parc des Princes. 

Und dann fehlt dem FC Bayern im 50. Saison-Pflichtspiel am Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video) auch noch der Cheftrainer in der Coaching-Zone. Vincent Kompany ist nach der dritten Gelben Karte, die er beim irren 4:3 gegen Real Madrid vor zwei Wochen sah, im Hinspiel gesperrt. Ein Handicap, das auf dem Weg ins Endspiel am 30. Mai in Budapest folgenschwer enden könnte. 

Kane: Natürlich werden wir den Trainer vermissen

„Natürlich werden wir ihn vermissen an der Seitenlinie. Er ist unser Anführer, er ist unser Boss“, sagte Torjäger Harry Kane zur Premiere ohne Kompany. Vorbereitung, Taktik, Aufstellung - alles das darf der 40 Jahre alte Belgier noch erledigen. Aber nach der Ankunft des Münchner Teams im Stadion ist Kompany raus - dann muss sein Assistent Aaron Danks die Chef-Rolle ausfüllen. 

Rollentausch in Paris: Assistent Aaron Danks (l) wird den gesperrten Chefcoach Vincent Kompany am Spielfeldrand vertreten. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

Rollentausch in Paris: Assistent Aaron Danks (l) wird den gesperrten Chefcoach Vincent Kompany am Spielfeldrand vertreten. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

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„Ich mache mir da keine Sorgen. Es bleiben die Spieler, die das Spiel entscheiden“, beschwichtigte Kompany zwar. „Wir werden damit umgehen“, versicherte auch Kane. Die Führungsspieler, allen voran Kapitän Manuel Neuer, Mittelfeldchef Joshua Kimmich und auch er selbst, müssten eben in dieser speziellen Situation „die Mannschaft pushen“, bemerkte Kane. 

„Wir werden uns dieser Herausforderung stellen und das als Team hinbekommen und händeln“, sagte Sportdirektor Christoph Freund. Das Trainerteam um Kompany sei „gut abgestimmt aufeinander“. 

Kann Standard-Spezialist Danks auch Chef?

Kann der Engländer Danks seinen Chef doubeln? Beim Abschlusstraining noch in München gab der 42-Jährige energisch die Kommandos bei den Übungen. Kane und Co. klatschten auffällig mit Danks ab - Kompany beobachtete es gelassen. Sichtbar in Erscheinung tritt Danks sonst im Alltag bei Spielen, wenn die Bayern oder ihr Gegner eine Ecke oder einen Freistoß ausführen. Dann überlässt ihm Kompany die Bühne und auch die Anweisungen vom Spielfeldrand. 

Und in Paris? Da soll es auch ohne die Aura, ohne die spontanen Eingebungen von Kompany gut ausgehen. „Um Gottes willen“ - das war die spontane Reaktion von Sportvorstand Max Eberl, als ihm die Kompany-Sperre nach dem Weiterkommen gegen Real Madrid bewusst wurde. Übertrieben war diese Reaktion nicht. Besonders wenn man auf die meisterliche 4:3-Aufholjagd blickt, welche die Münchner gerade erst am Wochenende in Mainz hinlegten. 

Wäre die auch ohne Einpeitscher Kompany gelungen? Der Trainer hatte seinem Starensemble beim Stand von 0:3 zur Pause in der Kabine „ordentlich den Kopf gewaschen“, wie Nationalspieler Leon Goretzka hinterher verriet. Könnte das Danks auch? Könnte das Neuer? Oder Kimmich? Oder Kane? 

„Es wird ihm schwerfallen, von oben zusehen zu müssen. Denn er will immer ganz nah bei seinem Team sein“, sagte Kane zu Kompanys Zuschauerrolle. Siegen auch für den Coach - das könnte aber auch ein spezieller Antrieb sein. 

297 Tage nach dem Musiala-Schock 

Die Kompany-Sperre ist aber nicht die einzige große Personalie beim europäischen Neo-Klassiker. Da ist ja auch noch Jamal Musiala. 297 Tage nach seiner schweren Beinverletzung bei der Club-WM in den USA kommt es zum emotionalen Wiedersehen des 23-Jährigen mit PSG. 

Der Schockmoment: Jamal Musiala liegt bei der Club-WM schwer verletzt auf dem Rasen. (Archivbild)Malachi Gabriel/ZUMA Press Wire/dpa

Der Schockmoment: Jamal Musiala liegt bei der Club-WM schwer verletzt auf dem Rasen. (Archivbild)Malachi Gabriel/ZUMA Press Wire/dpa

© Malachi Gabriel/ZUMA Press Wire/dpa

Die schockierenden Bilder vom heftigen Crash mit dem damaligen PSG-Torwart Gianluigi Donnarumma beim Viertelfinal-Aus in Atlanta (0:2) und dem schlimm abgewinkelten linken Fuß sind unvergessen. „Die schaue ich mir auf gar keinen Fall mehr an“, sagte Musiala. Schwere Monate mit Rückschlägen liegen hinter ihm. 

Aber jetzt scheint der Nationalspieler wieder zu Magic Musiala zu werden. „Dieser Jubel, dieses Lachen - wenn ein Offensivspieler das hat, dann ist alles gelöst, dann ist alles in Ordnung“, frohlockte Kompany nach dem Sieg in Mainz. 

Im Prinzenpark soll sich für Musiala ein Kreis schließen - wenige Wochen vor der WM. In Mainz war er als Einwechselspieler ebenso wie der grandiose Michael Olise der Gamechanger. Das 4:3 nach 0:3 war noch mal ein emotionaler Push für die Münchner. „Wir brauchen dieses Gefühl und diese Mentalität, wenn wir noch mehr gewinnen wollen“, betonte Musiala im Anschluss. 

Mit Bayern und Paris treffen zwei ausgewiesene Trainer-Teams aufeinander. Kompany hat die Bayern-Maschine geformt - der Spanier Luis Enrique das beste PSG-Ensemble, das es bisher gab. „Wir sind bereit“, verkündete Enrique. PSG ist im Frühjahr 2026 wieder das Nonplusultra, offensiv brillant, im Mittelfeld brutal präsent - und defensiv deutlich stärker als Real Madrid. „Paris ist der aktuelle Champion in Europa - und das nicht ohne Grund“, sagte Kane voller Respekt. 

Das 2:1 aus der Ligaphase als Blaupause

Aber die Kompany-Bayern sind womöglich ein noch besseres Kollektiv als das Triple-Team 2020 unter Hansi Flick. Damals wurde übrigens Paris beim Finalturnier in Lissabon im Endspiel besiegt. „Eine echte Challenge, ein hartes Spiel“, erwartet Kane. Er sagte aber auch: „Wir haben das Gewinnergefühl.“

Als Blaupause könnte das 2:1 aus der Ligaphase dienen, als die Bayern Anfang November im Prinzenpark mit einem unfassbaren Mann-gegen-Mann-Pressing PSG dominierten. Als Luis Díaz zweimal traf, ehe der Kolumbianer nach einem Foul an dem Ex-Dortmunder Achraf Hakimi die Rote Karte sah. 

Aufreger beim 2:1 der Münchner in der Ligaphase in Paris: Der zweifache Torschütze Luis Díaz sieht die Rote Karte. (Archivbild)Thibault Camus/AP/dpa

Aufreger beim 2:1 der Münchner in der Ligaphase in Paris: Der zweifache Torschütze Luis Díaz sieht die Rote Karte. (Archivbild)Thibault Camus/AP/dpa

© Thibault Camus/AP/dpa

In Unterzahl verteidigten die Bayern mit einem herausragend haltenden Kapitän Neuer leidenschaftlich. „Wir erwarten dasselbe Spiel wie damals“, sagte Kane - intensiv, torreich, spektakulär, hitzig. Und auch ohne Boss Kompany am Spielfeldrand soll aus Sicht des FC Bayern das Ergebnis wieder stimmen.