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20 Jahre Synagoge Ohel Jakob – „steingewordenes Versprechen“

Die Synagoge am Jakobsplatz steht sichtbar im Herzen Münchens. Doch jüdisches Leben ist weiter bedroht – und Charlotte Knobloch hält an einem Versprechen fest. Was dahintersteckt.

06.11.2026

Am Montag wird in München das 20-jährige Bestehen der Synagoge Ohel Jakob gefeiert. (Archivbild) Peter Kneffel/dpa

Am Montag wird in München das 20-jährige Bestehen der Synagoge Ohel Jakob gefeiert. (Archivbild) Peter Kneffel/dpa

© Peter Kneffel/dpa

Vor 20 Jahren wurde am 9. November 2006 in München die neue Hauptsynagoge eröffnet. Ein wichtiges Zeichen nach dem Terror der Nationalsozialisten – kehrte die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) doch nach Jahrzehnten im Hinterhof ins Herz der Stadt zurück. Ein Anlass, der am Montag groß gefeiert wird, auch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Doch die Freude ist getrübt: immer wieder gab es im Laufe der Jahre antisemitische Angriffe oder gar Anschlagspläne. 

Die alte Synagoge

Seit 1887 gab es mitten in München eine prächtige Synagoge im Stil der Neuromanik. Am 9. Juni 1938 rissen die Nationalsozialisten den Bau ab. „Ein Schandfleck verschwindet“, schrieb das Hetzblatt „Der Stürmer“. Während der Pogrome im November verwüsteten die Nazis auch noch die kleinere Synagoge in einem Hinterhof der Reichenbachstraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Bau notdürftig wiederhergestellt. Hier fand die jüdische Gemeinschaft jahrzehntelang eine bescheidene Heimat. 

Heute erinnert ein Gedenkstein an den Standort der ehemaligen Münchner Hauptsynagoge, die von den Nationalsozialisten abgerissen wurde. (Archvbild) picture alliance / dpa

Heute erinnert ein Gedenkstein an den Standort der ehemaligen Münchner Hauptsynagoge, die von den Nationalsozialisten abgerissen wurde. (Archvbild) picture alliance / dpa

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Die ersten Planungen

1999 war klar: München bekommt wieder eine neue Hauptsynagoge. „Wir wollen endlich heraus aus unserer Hinterhof-Atmosphäre, in die wir uns nach dem Krieg zurückgezogen hatten“, sagte Charlotte Knobloch, schon damals Präsidentin der IKG München und Oberbayern. Sie wollte Jüdinnen und Juden wieder ins Bewusstsein der Münchner rücken: „Viele erfahren erst von ihren Kindern, die unsere Synagoge im Schulunterricht besuchen, dass es ein jüdisches Leben in München gibt.“

Für Charlotte Knobloch ist die Synagoge in ihrer geliebten Heimatstadt München „das steingewordene Versprechen einer jüdischen Zukunft“. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

Für Charlotte Knobloch ist die Synagoge in ihrer geliebten Heimatstadt München „das steingewordene Versprechen einer jüdischen Zukunft“. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

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Rechte Anschlagspläne

Am 9. November 2003 sollte es so weit sein – die IKG lud hochrangige Politiker und Gäste aus aller Welt zur Grundsteinlegung. Dann der Schock: Wenige Wochen vorher flog ein militantes Neonazinetzwerk auf, das während des Festakts Bomben zünden wollte. Der Anschlag wurde vereitelt, vier Männer wurden gefasst und verurteilt, darunter der Anführer zu sieben Jahren Haft.

Bis heute sitzt der Schock bei Knobloch tief. „Die Erinnerung daran, wie knapp wir damals einer Katastrophe entkommen sind, steckt mir noch heute in den Knochen. Der Gedanke, dass ich zahllose Menschen auf dem Gewissen gehabt hätte, weil sie meiner Einladung gefolgt waren, lässt mich nicht los“, schrieb sie in ihrem Buch „Trotzdem weiter“, das diesen Sommer erschien.

Endlich „im Herzen der Stadt“

Das Gotteshaus wurde gebaut, samt Gemeindezentrum und jüdischem Museum für rund 71,5 Millionen Euro. Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob (Zelt Jakobs) eingeweiht. „Was wir heute erleben: Es bestätigt mich in meiner Liebe zu dieser Stadt und diesem Land“, sagte Knobloch damals. Und der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) frohlockte: „Münchens Jüdinnen und Juden sind im Wortsinn im Herzen der Stadt angekommen.“

Im Inneren wurde der Sakralbau mit Zedernholz und Stein aus Israel ausgestattet. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

Im Inneren wurde der Sakralbau mit Zedernholz und Stein aus Israel ausgestattet. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

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Neues Münchner Wahrzeichen

Inzwischen ist der Sakralbau am Jakobsplatz ein Wahrzeichen Münchens und mit 28 Metern Höhe ein markanter Blickfang. Der Sockel aus hellem Naturstein erinnert an die Klagemauer in Jerusalem. Darüber erhebt sich eine filigrane Konstruktion aus Glas, Stahl und Bronze. Der Innenraum wirkt warm und freundlich, mit Zedernholz und Stein aus Israel. Auch das einstige Provisorium in der Reichenbachstraße wurde restauriert. Seit 2025 erstrahlt die im Bauhausstil errichtete Synagoge wieder in alter Schönheit. 

Jahrzehntelang nutzte die jüdische Gemeinde eine Synagoge in einem Hinterhof, die inzwischen auch sorgfältig restauriert wurde. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

Jahrzehntelang nutzte die jüdische Gemeinde eine Synagoge in einem Hinterhof, die inzwischen auch sorgfältig restauriert wurde. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

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Bedrohung von vielen Seiten

Doch der Antisemitismus bereitet Sorgen. Die Polizei ist nach eigenen Angaben rund um die Uhr vor Ort. Es gebe eine hohe abstrakte Gefährdung bei jüdischen und israelischen Einrichtungen. Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU) verweist auf eine Zunahme der Straftaten nach dem Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 und der Reaktion der israelischen Regierung darauf. Bedrohungen kämen vor allem von rechtsextremen, aber auch islamistischen Akteuren. „Aber es gab auch Vorfälle von linksextremen und antizionistischen Kräften.“ 

Drohbriefe und Anschlagspläne

Spaenle nennt Beispiele wie die Androhung von Schlägen oder das Spucken auf Bilder für Geiseln der Hamas. In diesem Februar bekam das Gemeindezentrum in München einen Drohbrief mit einer scharfen Patrone und einem antisemitischen Bekennerschreiben. Und die Generalstaatsanwaltschaft München berichtete von einem Mann, der in München einen Anschlag auf das jüdische Museum geplant haben soll. Ende Oktober wurde er allerdings vor der israelischen Botschaft in Belgrad bei einem Angriff auf die Polizei erschossen. 

Die Polizei in München hat ein besonderes Auge auf die Synagoge und das jüdische Gemeindezentrum. (Archivbild)Matthias Balk/dpa

Die Polizei in München hat ein besonderes Auge auf die Synagoge und das jüdische Gemeindezentrum. (Archivbild)Matthias Balk/dpa

© Matthias Balk/dpa

Warum Knobloch unerschütterlich bleibt

Charlotte Knobloch schüchtert das nicht ein. Die Synagoge sei „das steingewordene Versprechen einer jüdischen Zukunft“. Und ein deutliches Signal: „Jüdische Menschen gehören dazu. Wir sind keine Randnotiz. Wir stehen, wortwörtlich, in der Mitte der Stadt. Heute, da der Judenhass ein Ausmaß erreicht hat, das wir uns 2006 nicht hätten vorstellen können, ist diese Botschaft, dieses Versprechen, so wichtig wie nie.“ Und sie betont: „Auch wenn die Zeiten schwierig sind – wir bleiben sichtbar. Wir sind hier, und wir bleiben hier!“

Krause sieht „Alarmsignal“

Für Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sind die Synagoge und das Gemeindezentrum wichtige und selbstverständliche Bestandteile der Stadtgesellschaft. „Gleichzeitig schmerzt das Wissen darum, mit welchen Sicherheitsrisiken diese Sichtbarkeit – gerade auch heute wieder – einhergeht“, sagt er. Dass jüdische Münchnerinnen und Münchner aufgrund des zunehmenden Antisemitismus Zweifel daran hätten, ob sie hier in ihrer Heimatstadt eine Zukunft hätten, sei ein Alarmsignal für die gesamte Stadtgesellschaft.