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182 Waldbrände in Hessen - Trockenheit lässt Feuer zunehmen

Wald in der Größe von fast 82 Fußballfeldern ist in Hessen in diesem Jahr verbrannt – fast viermal so viel Fläche wie 2025. Viele Feuer gehen auf Menschen zurück.

06.11.2026

Im Jahr 2026 sind in Hessens Wäldern 182 Brände registriert worden, 2025 waren es 116. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

Im Jahr 2026 sind in Hessens Wäldern 182 Brände registriert worden, 2025 waren es 116. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

In Hessens Wäldern hat es in diesem Jahr deutlich häufiger gebrannt als 2025. Nach bislang vorliegenden Daten des Hessischen Forstministeriums und des Landesbetriebs HessenForst wurden 182 Waldbrände registriert. Die Schadfläche beträgt demnach rund 58,5 Hektar - das entspricht etwa 82 Fußballfeldern. 2025 zählte das Ministerium 116 Brände auf rund 15,4 Hektar. Damit hat sich die Schadfläche fast vervierfacht.

Im Jahr 2026 hätten ausbleibende Niederschläge gepaart mit hohen Temperaturen den Waldboden und die bodennahe Vegetation stark ausgetrocknet, hieß es zur Ursache der Zunahme. Am stärksten betroffen war den Angaben zufolge Südhessen, insbesondere die Forstämter Hanau-Wolfgang, Groß-Gerau und Königstein. 

Keine schwer verletzten Einsatzkräfte

Bei den Einsätzen wurden laut Innenministerium keine Feuerwehrleute schwer verletzt. Vereinzelt habe es leichte Verletzungen und Erschöpfungserscheinungen durch Hitze und schwere Arbeit im unwegsamen Gelände gegeben. 

Die Schadfläche hat sich fast vervierfacht. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

Die Schadfläche hat sich fast vervierfacht. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

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Der finanzielle Schaden wird landesweit mit rund 440.000 Euro beziffert. „Ökologisch betrachtet ist ein Waldbrand zunächst ein Störungsereignis mit besonderen Auswirkungen auf die Kraut- und Strauchschicht sowie auf bodennah lebende Kleintiere wie etwa Insekten, Amphibien, et cetera“, erläuterten das Forstministerium und HessenForst. Größere Tiere wie Schalenwild könnten das betroffene Gebiet in der Regel verlassen, bevor sie Schaden erlitten. 

Der weit überwiegenden Teil der Brände sei auf Menschen zurückzuführen, hieß es. Der genaue Hergang - etwa Rauchen im Wald oder auch vorsätzliche Brandstiftung - sei häufig nicht zu rekonstruieren.

Warnungen verpuffen

Aufklärungsarbeit sei deshalb weiterhin wichtig, sagte der Präsident des Landesfeuerwehrverbands, Norbert Fischer. Warnungen fänden oftmals zu wenig Beachtung. Ihm zufolge entwickeln sich Wald- und Vegetationsbrände zunehmend zu komplexen Einsatzlagen mit hohem Kräfte-, Material- und Koordinierungsbedarf. 

„In diesem Jahr hatten wir zahlreiche Waldbrände in munitionsbelasteten Gebieten.“ Das erfordere immer eine größere Sorgfaltspflicht und eine Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden, erläuterte Fischer. Zudem hätten sich die Feuer relativ schnell ausgebreitet. 

Wenn mehrere Brände gleichzeitig aufträten, gerieten Personal, Fahrzeuge und Spezialtechnik auch über Kreis- und Landesgrenzen hinweg unter erheblichen Druck. „Solche Brände können über Stunden oder Tage Personal binden, Einsatzkräfte körperlich an ihre Grenzen bringen und ganze Regionen fordern“, erklärte Fischer. „Darauf müssen wir uns flächendeckend einstellen.“ 

Vor allem Südhessen war betroffen, insbesondere die Forstämter Hanau-Wolfgang, Groß-Gerau und Königstein. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

Vor allem Südhessen war betroffen, insbesondere die Forstämter Hanau-Wolfgang, Groß-Gerau und Königstein. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

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Risikogerechte Vorsorge

Entscheidend sei nicht nur, ob einzelne Spezialmittel vorhanden seien, sondern ob vor Ort eine belastbare Kette aus Früherkennung, Führung, Löschwasserversorgung, Logistik und Ablösung funktioniere. Hessen habe in den vergangenen Jahren wichtige Fähigkeiten aufgebaut. „Die Ausstattung der Feuerwehren ist grundsätzlich gut, aber noch nicht ausreichend.“

Es brauche eine kontinuierliche Vorbereitung in Städten, Gemeinden und Landkreisen und eine flächendeckende Grundbefähigung der Feuerwehren, ergänzt durch strategisch stationierte Spezialfähigkeiten. „Nicht jede Kommune benötigt die gleiche Ausstattung. Maßgeblich müssen die örtlichen Risiken sein“, sagte Fischer.

Löschwasser und Früherkennung

Neben der technischen Ausstattung sieht er bei der Löschwasserbevorratung im Wald und bei der Ausstattung mit Hydranten Verbesserungspotenzial. Zudem sollten Früherkennungssysteme ausgebaut werden. Der Landesfeuerwehrverband sehe Bund, Land und Kommunen im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten gemeinsam gefordert. 

Fischer betonte die Unterstützung durch die Landwirtschaft, die bei Bränden schnell mit Anhängern, Wasser und entsprechendem Gerät geholfen habe. Er sprach sich für eine flächendeckende Einführung des Systems „Red Farmer“ aus. Das Projekt vernetzt Feuerwehren mit landwirtschaftlichen Betrieben, um zusätzliche Ressourcen – etwa große Wasserbehälter oder Maschinen zur Anlage von Brandschneisen – schnell verfügbar zu machen. 

Der finanzielle Schaden liegt landesweit bei rund 440.000 Euro. (Archivbild)Jörg Halisch/dpa

Der finanzielle Schaden liegt landesweit bei rund 440.000 Euro. (Archivbild)Jörg Halisch/dpa

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Das Innenministerium sieht Hessen „in der Fläche bei Konzepten, Ausbildung und Ausstattung sehr gut aufgestellt“ Technik und Taktik entwickelten sich stetig weiter, die Ausstattung werde fortlaufend ergänzt. Es verweist unter anderem auf 426 Löschsets für kommunale Einheiten, vier Abrollbehälter Waldbrandbekämpfung und 26 Gerätewagen für den Katastrophenschutz, für die das Land rund 21 Millionen Euro ausgegeben hat. 

HSGB: Kommunen gut aufgestellt

„Die Kommunen sind durchaus gut aufgestellt, müssen aber - wie in anderen Bereichen auch - Aufstellung und Ausstattung immer wieder an die Notwendigkeiten anpassen“, erklärte der Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes (HSGB), David Rauber. Ausgedehnte und lang andauernde Einsätze könnten auch gut ausgestattete örtliche Feuerwehren überfordern.

Begrenzende Faktoren seien Personal, Organisation und Finanzen. „Die Bezuschussung von Ausrüstung ist natürlich immer ein Thema“, sagte Rauber. Eine wichtige Forderung des HSGB sei auch die nach dem Verzicht auf Aktionismus und Effekthascherei bei diesem ernsten Thema. 

„Vieles läuft schon zuverlässig gut.“ Das ständige Prüfen, was nötig sei und weiterentwickelt werden müsse, bleibe eine Daueraufgabe. Zudem müssten bestehende gute Angebote noch mehr genutzt werden, „etwa die digitalen Waldbrandeinsatzkarten für Waldbesitzer, die über das Land zur Verfügung gestellt werden“.

Trockenheit und Hitze gelten als Hauptursache. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

Trockenheit und Hitze gelten als Hauptursache. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

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