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Reken: Auf Spurensuche in der Heimat der Großeltern

Nachfahren jüdischer Rekener zu Gast

Dienstag, 5. Juli 2022 - 14:00 Uhr

von Borkener Zeitung / pd

Dr. Samuel Roberts ist ein Enkel von Hanni Roberts, geborene Levinstein, die 1938 aus Reken vor den Nazis mit ihrem Ehemann nach Sydney fliehen musste. Roberts besuchte nun mit seiner Familie für ein paar Stunden Reken, die Heimatgemeinde seiner Großmutter. Es ging der Familie darum, nach den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren zu suchen.

Foto: Privat Meirick

Vor dem Rathaus (v.l.): Der Erste Beigeordneter Manuel Benning, Ulrich Hengemühle, Familie Roberts, Georg Meirick.

REKEN. Rekens Erster Beigeordneter Manuel Benning begrüßte in Vertretung von Bürgermeister Deitert, der urlaubsbedingt verhindert war, die Familie im Rathaus. Ulrich Hengemühle und Georg Meirick, die sich beide mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Reken beschäftigt haben, zeigten und erklärten zusammen mit Hermann-Josef Holthausen vom Heimatverein Reken anschließend bei einem Rundgang durch das Unterdorf die Spuren ehemaligen jüdischen Lebens: Die kürzlich verlegten Stolpersteine für die Familien Lebenstein/Levinstein und Silberschmidt, das Geburtshaus Hanni Levinsteins und den Gedenkstein, der zur Erinnerung an die ehemalige jüdische Synagoge im Eingangsbereich zur Neuen Mitte errichtet wurde. Die vom Heimatverein Reken an Familie Roberts verschenkten Bücher Ulrich Hengemühles zur Geschichte der jüdischen Gemeinde und der Rekonstruktion der Zeit von 1900 bis 1945 ergänzen diese Spurensuche durch viele weitere Hintergrundinformationen und stießen bei den Gästen aus Australien auf lebhaftes Interesse.

Beten für verstorbene Verwandte am Friedhof

Der Besuch des jüdischen Friedhofs auf dem Kerkenberg lag der Familie Roberts besonders am Herzen. Es war nicht leicht, die verwitterten Inschriften der Grabsteine zu entziffern und die Gräber den verstorbenen und hier beerdigten Vorfahren zuzuordnen. Am besten lesbar waren die hebräischen Texte der sehr alten Grabsteine, die von den zwei Roberts-Jungen ohne Schwierigkeiten entziffert werden konnten. Beide besuchen in Sydney eine jüdische Privatschule, die Familie gehört einer orthodoxen Richtung des Judentums an und ist sehr gläubig. So nahmen sich die Gäste denn auch viel Zeit, um für ihre verstorbenen Verwandten zu beten. „Wir pflegen die Erinnerung an unsere Verstorbenen. An wen oft gedacht wird, der ist nicht tot. Und je öfter für ihn gebetet wird, desto höher steigt seine Seele in den Himmel auf“, erklärte Dr. Samuel Roberts.

Foto: Privat Meirick

Auch der jüdische Friedhof wurde besucht.

Bevor sich die australischen Gäste verabschiedeten, erhielten sie vom Vorsitzenden des Rekener Heimatarchivs, Hermann-Josef Holthausen, zwei Ansteckplaketten mit Motiven der Gemeinde Reken. Inzwischen ist die Familie wieder wohlbehalten in Sydney eingetroffen.Zum Thema

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Vier Stolpersteine in der Harrierstraße erinnern an die Holocaust-opfer aus der Familie Lebenstein/Levinstein.

Bertha Levinstein und Dr. Albert Lebenstein starben durch Selbstmord, Hermann Levinstein und Fritz Lebenstein wurden nach Riga deportiert und dort ermordet. Die Tochter von Hermann und Bertha Levinstein floh mit ihrem Mann 1937 nach Sydney. Ihr einziger Sohn Dr. John Albert Roberts hat oft die Heimatgemeinde Reken seiner Mutter besucht. Er ist inzwischen 78 Jahre, sein ältester Sohn Samuel knüpfte jetzt mit seinem Besuch an die Tradition seines Vaters an.-pd-