Reken

Aufarbeitung der NS-Zeit berührt Nachfahren jüdischer Rekener

Arbeit des Heimatarchivs

Dienstag, 4. August 2020 - 14:00 Uhr

von Borkener Zeitung

Nachfahren jüdischer Rekener begrüßen die Aufarbeitung der NS-Diktatur. Das Heimatarchiv berichtet in einer Mitteilung von positiven Reaktionen auf seine Arbeit.

Foto: pd

Das Team des Rekener Heimatarchivs: (v.l.) Josef Sondermann, Karl-Otto Biedermann, Ulrich Hengemühle, Hermann-Josef Holthausen (Leiter) und Franz-Josef Bücker.

REKEN. Die Aufarbeitung der NS-Diktatur in Reken stößt auch in Israel und Australien auf großes Interesse. Denn dort leben die Nachfahren der Familien Lebenstein und Silberschmidt, jene jüdischen Familien aus Reken, die aus der Heimat vertrieben und in Konzentrationslagern umgebracht wurden.

„Ein Geschenk im hohen Alter“ nennt Miriam Gumpert-Sasson, eine Nachfahrin der Lebensteins, die Filmdokumentation „Der schwarze Fleck“ über die Verfolgung ihrer Vorfahren in Reken. Junge Rekener hatten die Dokumentation bei einem Projekt des Jugendzentrums Area 48734 erstellt und vor Kurzem auf Youtube veröffentlicht (die BZ berichtete).

Brief aus Israel

„Miriam Gumpert-Sasson hat den Film im Internet gesehen und daraufhin Georg Meirick kontaktiert“, berichtet Hermann-Josef Holthausen, der Leiter des Rekener Heimatarchivs. Gumpert-Sassons Mutter ist Selma Lebenstein, eine Tochter aus der ersten Ehe des Kaufmanns Simon Lebenstein, der in der Harrierstraße sein Geschäft betrieben hatte.

Auch Rosa Lev, Jahrgang 1940, die älteste Tochter von Fritz Silberschmidt, hat sich aus Israel gemeldet. In einem Brief an Ulrich Hengemühle, Autor des Buches „Reken – 1900 bis 1945“, schreibt sie: „Ich bin sehr gerührt, zu erfahren, dass meine Familie nicht vergessen ist, jetzt können wir mehr über ihr Leben erfahren.“

Fritz Silberschmidt hatte einst in der Harrierstraße gelebt. Er war über die Niederlande nach Argentinien geflüchtet und war in den 1950er-Jahren dauerhaft nach Israel übergesiedelt.