Was sich Henry Tünte von der EU wünscht

Von Henry Tünte

Der Naturschutz ist gerade für das Westmünsterland ein wichtiges Thema bei der Europawahl am kommenden Sonntag. Wir haben zum Abschluss unserer Reihe von Gastkommentaren zur Europawahl Henry Tünte vom Naturschutzbund (NABU) um seine Meinung gebeten.

Was sich Henry Tünte von der EU wünscht

Henry Tünte

Der BUND und auch ich stehen für ein vielfältiges und lebenswertes Europa. Dazu gehört auch eine gemeinsame, europäische Agrarpolitik. Vor über 50 Jahren wurde diese auf den Weg gebracht. Das damalige Ziel war es, mehr Lebensmittel zu erzeugen. Heute stehen wir vor einem Scherbenhaufen.

Pestizide und zu viel Dünger, das Verschwinden von Hecken oder blühenden Randstreifen sorgen für ein dramatisches Artensterben. Ursache für die Gülleflut ist die weitgehende Trennung von Pflanzenbau und (industrieller Massen-)Tierhaltung. Der Futtermittelanbau in Form von gentechnisch verändertem Soja in Südamerika zerstört dort die Regenwälder, das Fleisch geht nach Indien und China, die Gülle bleibt hier. Das, was wir nicht essen wollen, geht nach Afrika und vernichtet die dortige Produktion.

Eine ganzheitliche Betrachtung lenkt den Blick auf die Klimaproblematik. Die zu hohen Stickstoffgaben führen zu beträchtlichen Lachgasemissionen und Kohlenstoffabbau, Grünlandumbruch setzt Kohlenstoff frei, die industrielle Landwirtschaft verbraucht beträchtliche Mengen Öl, und Agrargasanlagen setzen Methan frei.

Die Agrarpolitik muss sich ändern: Sie muss sich entschieden gegen das Höfesterben, gegen den Verlust der Artenvielfalt, gegen die Verschmutzung der Gewässer, der Luft und des Bodens stemmen. Sie muss ihren Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Tierschutz leisten und Regionalität fördern anstatt Agrar-Exporte zu unterstützen.

Meine Wünsche an die Europäische Union und die gemeinsame Agarpolitik:

Alle Gelder sind an den Grundsatz „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ zu binden.

Die pauschale Flächenprämie ist schrittweise zugunsten der Förderung konkreter Umwelt- und Tierschutzleistungen abzuschaffen.

Feste Budgets sind für öffentliche Leistungen in den Bereichen Biodiversität, Klimaschutz und Umweltschutz einzusetzen.

Bauernhöfe und Junglandwirte sind gezielt zu unterstützen.

Der Umbau der Tierhaltung ist auch mit EU-Geldern zu finanzieren.

Ökolandbau und besonders naturnahe Landbewirtschaftungen sind gezielt zu unterstützen.

Gesetze, Marktregeln und Kennzeichnungen müssen auf eine ökologisch-bäuerliche Landwirtschaft und regionale Wertschöpfungsketten ausgerichtet werden.

Die Agrarpolitik darf keine negativen Auswirkungen auf die Länder des Globalen Südens haben.

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