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Vor 75 Jahren fielen Bomben auf das Dorf Erle

BZ-Serie Zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Montag, 23. März 2020 - 14:00 Uhr

von Borkener Zeitung

Am Montag, 23. März, und Dienstag, 24. März, ist es 75 Jahre her, dass das Dorf Erle von den Alliierten bombardiert wurde. Der Heimatverein Erle möchte auf diesen Jahrestag aufmerksam machen und ruft zu einem stillen Gedenken auf.

Die Aufnahme zeigt die zerstörte Erler St.-Silvester-Kirche beim Wiederaufbau im Jahre 1949.

ERLE. Der Verein verweist auf die Zeitzeugin Elisabeth Kuhlmann, geborene Pieper. Sie habe in ihrem Bericht in dem Buch „Erle 1945“ geschildert, als am 23. März 1945 kurz vor 11 Uhr Flugzeuge Spreng- und Brandbomben über Erle abwarfen, heißt es in einer Mitteilung.

Pieper schrieb: „An diesem Morgen war kein Luftalarm gegeben worden. Meine Schwester Luzie und ich hoben mit Hilfe von Franz und Lambert Langenhorst auf unserem Hof zwei Ein-Mann-Löcher aus. Es muss gegen elf Uhr gewesen sein – unsere Ein-Mann-Löcher waren gerade zur Hälfte fertig – als wir die Flugzeuge hörten. Gesehen haben wir die erst, als sie über dem Hof Kuhlmann-Telm waren.

„Ringsherum wurde es dunkel“

Lambert Langenhorst rief: „Die klinken aus.“ Mit dem gleichen Atemzug sprang er über den Hofzaun und suchte in einem Ein-Mann-Loch auf dem Nachbargrundstück Deckung. Franz und ich sprangen in das eine halbfertige Ein-Mann-Loch, meine Schwester in das andere.

Luzie, die bei ihrem Sprung in das Loch von einem umherfliegenden Steinbrocken in den Rücken getroffen wurde, hat mir später erzählt, dass sie ein Geschwader von sechs Flugzeugen gezählt habe. Ich selbst hörte einen lauten Knall, dem mehrere Erschütterungen folgten. Ringsherum wurde es dunkel.

Um uns herum flogen Steine, Holz- und Glassplitter. Der von der aufgewühlten Erde verursachte Staub war so dicht, dass man die Umgebung kaum noch erkennen konnte. Wir hörten unsere Mutter unsere Namen rufen. Sie kam aus dem Haus gestürmt. Keiner wusste, was passiert war.

Zusammen liefen wir dann in Richtung Kuhlmann-Telm, um uns in den dort angelegten Schutzgräben in Sicherheit zu bringen. Von dort aus sahen wir, wie Rauch aus dem Turm unserer Kirche drang. Erst jetzt wurde uns klar, dass die Flugzeuge unsere Kirche getroffen hatten.

Wir liefen, als die Flugzeuge weg waren, ins Dorf. Aus der Kirche schlugen lichterloh die Flammen. In unserem Haus waren durch die Explosionen die meisten Fensterscheiben zerstört. Die Türen und Rollladen hingen schief in den Angeln.“

Viele Häuser im Ortskern seien getroffen und erheblich zerstört worden oder brannten aus, ebenso der Kirchturm, der im Laufe des Tages umkippte, heißt es weiter. In den folgenden Tagen sei es zu erneuten Bombenabwürfen und Tieffliegerangriffen auch in den Bauerschaften gekommen.

„Der Krieg brachte Tod und Zerstörung“

Und: „Der Krieg, den Nazideutschland 1939 mit dem Überfall auf Polen gegen die Staaten Europas begonnen hatte, brach über Erle herein und brachte auch hier Tod und Zerstörung“, so der Heimatverein.

Er erinnert an Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der es in seiner viel beachteten Rede vom 8. Mai 1985 – 40 Jahre nach Kriegsende – so formulierte: „Während des Krieges hat das NS-Regime viele Völker gequält und geschändet. Am Ende blieb nur noch ein Volk übrig, um gequält und geschändet zu werden: das eigene, das deutsche Volk. Die anderen Völker wurden zunächst Opfer eines von Deutschland ausgehenden Krieges, bevor wir selbst zu Opfern unseres eigenen Krieges wurden.“

Zu den Opfern der Bombenangriffe auf Erle zählten Hauptlehrer Fritz Sagemüller, Regina Henneböhl und Johanna Langenhorst sowie zwei russische Kriegsgefangene. In Erle seien bei den Bombardierungen und Tieffliegerangriffen sowie bei den Gefechten beim Einmarsch der Alliierten am 28. März 35 Soldaten gefallen: 26 deutsche, sechs englische, zwei russische und ein Amerikaner. Einige davon sind auf dem Erler Friedhof beerdigt, so der Heimatverein. Doch nicht alle der in den 18 Soldatengräbern beerdigten Toten seien in Erle gefallen.

Der Heimatverein Erle spricht sich nachdrücklich für Respekt, Toleranz, Demokratie und Frieden aus.


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