Raesfeld

Nabu nimmt Stellung zum zweiten Wolf

Ansiedlung eines Paares

Donnerstag, 16. April 2020 - 16:00 Uhr

von Andreas Rentel / pd

Im Wolfsgebiet Schermbeck, zu dem auch die Gemeinde Raesfeld gehört, ist ein zweiter Wolf nachgewiesen worden (wir berichteten). Nun nimmt der Nabu dazu Stellung.

Foto: Michael Weirauch

+++Symbolbild+++

RAESFELD/SCHERMBECK. Zur Bestätigung des Landesumweltamts (Lanuv), dass sich es im Wolfsgebiet Schermbeck zwei Wölfe gibt, nimmt Thomas Pusch, der Sprecher des Landesfachausschusses Wolf im Naturschutzbund (Nabu) NRW Stellung. Ob es sich dabei um ein dauerhaftes Paar handele, werde das Monitoring der nächsten Wochen ergeben, hieß es. „Dass sich irgendwann auch in Nordrhein-Westfalen ein Wolfspaar bilden würde, war zu erwarten. Für die Bevölkerung und die Weidetierhalter ändert sich durch diese Situation aber erst einmal wenig“, sagt Pusch.

Keine Gewöhnung an den Menschen

Die von einem Anwohner in Hünxe gemachte Videoaufnahme zeige die beiden jagenden Wölfe in Siedlungsnähe. Wie andere Wildtiere würden auch Wölfe menschliche Siedlungen in Kulturlandschaften nicht gänzlich meiden. „Daher ist es völlig normal und ungefährlich, wenn sie an Siedlungen vorbei oder auch einmal hindurchlaufen oder bis an den Siedlungsrand jagen“, erklärt Pusch. Für Wölfe sei es nicht erkennbar, dass es in einem Haus Menschen gibt. Berichten zufolge ließen die Wölfe in Hünxe schnell von ihrer potenziellen Beute ab, als die Bewohner vor das Haus traten. „Dies zeigt deutlich, dass keine Gewöhnung an den Menschen stattgefunden hat und wildtiertypisch Fluchtverhalten ausgelöst wird, wenn Menschen auftauchen“, so der Nabu-Wolfsfachmann.

Weidetiere effektiv schützen

Für die Weidetierhaltung gelte nach wie vor: Weidetiere müssen effektiv geschützt werden. Der Nabu NRW rate daher diesen Tierhaltern, den Herdenschutz nach den Empfehlungen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf auszuführen und eventuell auf ehrenamtliche Helfer zurückzugreifen, so Pusch. Ferner sei es möglich, die Herdenschutzberatung der Landwirtschaftskammer NRW in Anspruch zu nehmen. Zudem rät der NABU, noch nicht ausreichend geschützte kleinere Weidetiere zeitnah wolfsabweisend zu schützen.

Förderanträge schnell bearbeiten

Pusch: „Zudem hoffen wir, dass die Förderrichtlinie NRW bald durch die EU notifiziert wird. Damit könnten sich Weidetierhalter unabhängig von dem derzeit geltenden Höchstbetrag an Fördermitteln entsprechende Weidezäune, aber auch Hunde, finanzieren lassen.“ Ein wichtiger Aspekt wäre nach wie vor die Übernahme der Arbeitszeitkosten, die meist einen erheblichen Teil der Ausgaben ausmachen.

Notwendig sei, dass die Förderanträge aus dem Wolfsgebiet Schermbeck möglichst unbürokratisch und schnell von den Bezirksregierungen bearbeitet werden. Das gelte besonders für die Anträge auf Anschaffung von Herdenschutzhunden.

Zudem appelliert der Nabu an die Jäger und Förster in der Region Schermbeck, Hinweise auf Risse bei Wildtieren und ähnliche Beobachtungen dem Lanuv zu melden.