Leserbriefe

„Durch das Aufheben von Papier wird kein Gramm Schadgas vermieden“

Leserbrief zum Artikel „Klimaschutzpreis für den Ortsmarketingverein“.

04.01.2019

Bürgermeister Andreas Grotendorst (links) und Monika Schürmann von der Firma innogy (2. von links) überreicht den Klimaschutzpreis an das Ortsmarketing Raesfeld (von links): die Vorsitzende Diana Brömmel, Andre Wachtmeister, Steffi Nienhaus und Steffi Grohn freuen sich über die Auszeichnung.

Bürgermeister Andreas Grotendorst (links) und Monika Schürmann von der Firma innogy (2. von links) überreicht den Klimaschutzpreis an das Ortsmarketing Raesfeld (von links): die Vorsitzende Diana Brömmel, Andre Wachtmeister, Steffi Nienhaus und Steffi Grohn freuen sich über die Auszeichnung.

© pd

Sammelaktion

Publikumswirksam zeichnete ein RWE-Konzernmitglied (Innogy) Gemeindemitglieder mit einem von Innogy in Szene gesetzten Klimaschutzpreis aus, weil Kinder und Jugendliche die Wegesränder innerhalb der Gemeinde von Kleinstabfälle gesäubert haben.

Ich verstehe als Einwohner Raesfelds sehr gut, dass – getragen von vielen Vereinsmitgliedern – einmal im Jahr zu einer solchen Sammelaktion aufgerufen wird, um den im Jahresverlauf (von Raesfeldern selbst) in der Natur entsorgten Abfall einzusammeln. Früher nannte man das „Unser Dorf soll schöner werden“ oder „Für ein sauberes Raesfeld“. Der Grund ist allen plausibel: Jeder Mensch – ganz egal, wo er lebt – hält ganz selbstverständlich die Räume seines persönlichen Lebensumfeldes sauber.

In Raesfeld bekommt man dafür nun hochtrabend einen Klimaschutzpreis! Warum denn das? Weil ich sauber mache, schütze ich das Klima? Wer kann mir und vielleicht anderen Lesern das einmal erklären?

Ich muss deshalb vermuten: Sauberkeit schafft es in keine Schlagzeile, Klimaschutz aber allemal. Klimaschutz ist in aller Munde.

Klimaschutz ist gut und lobenswert. Auf der Verpackung steht Klimaschutz drauf – was drinnen ist – egal. Ist es nicht etwa so: Sauberkeit am Wegesrand heißt Aufheben von Papierschnitzeln, von Papp- oder Plastikbechern, von kleinen Fläschchen und ähnliches. Es meint nicht einmal Entfernen von wilden Deponien, denn die gibt es in Raesfeld und der engeren Umgebung nicht.

Man kann in diesem Beritt die ausgezeichnete Sammelaktion nicht einmal ernsthaft als Erhalt der Natur bezeichnen oder als große Umweltschutztat und schon gar nicht als Tat für den Klimaschutz. Durch das Aufheben von Papier wird kein Gramm Schadgas vermieden oder zurückgeholt.

Die einzige Bezeichnung, die mir da einfiele ist: RWE-Lobbyismuns schlägt Naivität. Denn ähnliche Auszeichnungen hat Innogy im Hambacher Forst nicht vergeben!

Da sollte man auch schon Kindern reinen Wein einschenken. Nicht umsonst haben viele Neujahrsansprachen dieses Jahr sich mit Stilfragen befasst.