Kreis Borken

Kreis nimmt Unterkünfte von Westfleisch verstärkt unter die Lupe

80 bis 100 Beschäftigte im Kreis / 151 Mitarbeiter infiziert

Freitag, 8. Mai 2020 - 18:12 Uhr

von Josef Barnekamp

Nach dem starken Anstieg der Zahlen der Corona-Infizierten bei der Firma Westfleisch in Coesfeld nimmt der Kreis Borken die Wohn- und Arbeitsbedingungen ausländischer Werkvertragsarbeitnehmer ins Visier. Anders als der Kreis Coesfeld müsse man aber keine Lockerungen der Coronaschutz-Verordnungen zurücknehmen.

Foto: Westfleisch

Das Coesfelder Westfleisch-Werk.

KREIS BORKEN. Wie der Kreis am Freitag mitteilte, lebten rund 80 bis 100 der Westfleisch-Beschäftigten im Kreis Borken. Nach Bekanntwerden von Infektionsnachweisen bei zunächst in Velen und Gescher wohnenden Westfleisch-Mitarbeitern habe der Kreis Borken sofort Teste des jeweiligen Wohnumfeldes veranlasst. Unabhängig von den noch ausstehenden Ergebnissen seien alle betroffenen Personen von den örtlichen Ordnungsämtern unter Quarantäne gestellt worden. Wie es am späten Nachmittag hieß, sei mit Ergebnissen der Tests erst am Wochenende zu rechnen.

Auch Mitarbeiter niederländischer Schlachthöfe betroffen

Weitere Ermittlungen mit Bezug auf Mitarbeiter in Schlachthöfen liefen derzeit auf Hochtouren, heißt es. Wie der Kreis weiter mitteilte, habe es bereits vor einigen Tagen zwei positive Befunde in Südlohn und Isselburg gegeben. Hier waren Mitarbeiter niederländischer Schlachthöfe betroffen.

Nun werde man umgehend auch das Wohnumfeld und die Betriebsabläufe bei weiteren Schlachtbetrieben untersuchen. Diese genau unter die Lupe zu nehmen, hatte am Freitagnachmittag NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann angekündigt. Laumann hatte dabei auch gesagt, man wolle alle rund 20.000 Mitarbeiter an Schlachthöfen in NRW testen lassen und die Sammelunterkünfte, in denen die Werksvertragsmitarbeiter untergebracht sind, begehen und inspizieren. Laumann betonte dabei, dass die Strukturen in der Fleischindustrie für die Ausbreitung des Coronavirus verantwortlich seien, nicht die meist aus Rumänien, Bulgarien oder anderen osteuropäischen Ländern stammenden Arbeiter.

Unterbringung soll geprüft werden

In einer Pressemitteilung sprachen sich die Grünen im Kreis Borken dafür aus, dass der Kreis die Frage der Unterbringung und der gesundheitlichen Versorgung der zumeist aus Osteuropa stammenden Arbeiter genau untersucht. Wie der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, Jens Steiner, schreibt, dürfe es Massenunterkünfte vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie nicht geben. Die Ordnungs- und Gesundheitsämter seien gefordert, jetzt die Einhaltung von guten Arbeits- und Lebensbedingungen sicherzustellen.

Steiner, der auch Vorsitzender des Ausschusses für Sicherheit und Ordnung ist, sagte weiter: „Es wäre richtig gewesen, den Betrieb von Westfleisch in Coesfeld zumindest so lange ruhen zu lassen, bis das genaue Ausmaß der Infektionen unter den Mitarbeitern bekannt ist.“ Die Kreisverwaltung Coesfeld hatte am Donnerstag noch mitgeteilt, aus ihrer Sicht sei eine vorübergehende Schließung unausweichlich.