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Kreis Borken

Bauernregeln gab es bereits im antiken Rom

Thema des Tages: Bauernregeln / Erklärungen des LWL zu den Weisheiten

Samstag, 11. Juli 2020 - 10:00 Uhr

von Göke / LWL

Im heutigen Thema des Tages beschäftigen wir uns mit Bauernregeln. Heute sind es die Wetter-Apps - früher waren es die Bauernregeln die uns auf das kommende Wetter blicken ließen. Die BZ hat sich erkundigt, woher die Regeln kommen und was sie bedeuten.

Foto: pixabay

Symbolbild

Wetter-Apps, fast jeder kennt sie und eine ist mindestens auf jedem Handy installiert. So kann der Nutzer genau sehen, wann es regnen wird, wie sich der Wind entwickelt und ob zu einer bestimmten Uhrzeit die Sonne scheint. Diese Möglichkeiten hat es früher nicht gegeben. Es wurde der Wetterbericht im Fernsehen verfolgt und in der Zeitung gelesen. Und davor? Da haben sich die sogenannten Bauernregeln entwickelt. Weisheiten, in die Erfahrungswerte zusammengetragen wurden und teilweise bereits viele Jahrhunderte alt sind.

Schäfer waren Wetterpropheten

Die Volkskundler beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erläutern, dass bevor die Meteorologie Aussagen über Klima und Wetter ermöglichte, sich Vorhersagen auf Beobachtungen stützten, die in Form von Merksätzen festgehalten wurden. „Als Wetterpropheten galten Schäfer, die sich bei ihren Prognosen auf Wind, Wolken, Luftveränderungen und das Verhalten der Schafe stützten“, erklärt Kim Wessel, die die umfangreiche Sammlung von Bauernregeln aus Westfalen im Archiv der Volkskundlichen Kommission untersucht hat.

„Bauernregeln waren weit verbreitet und zum Beispiel auch im antiken Rom und Griechenland oder in Vorderasien bekannt“, so Wessel. Auch im neuen Testament können Regeln entdeckt werden, die sich dann hauptsächlich auf den Bereich Palästina beziehen. Bei den Bauernregeln ist es immer wichtig zu wissen, für welche Region sie gelten, damit sie Sinn ergeben.

Die Regeln lassen sich in drei Kategorien unterteilen:

  • „Wetterregel“: Sie sagen das Wetter der nächsten sechs bis zwölf Stunden vorher.
  • „Witterungsregeln“: Dabei handelt es sich um langfristige Vorhersagen.
  • „Kalendergebundene Klimaregeln“: Bei diesen werden die durchschnittlichen jährlichen Witterungsabläufe beschrieben.

Zu den Wetterregeln gehört beispielsweise: „Wenn die Schwalben niedrig fliegen, werden wir bald Regen kriegen. Fliegen sie bis in die Höh‘n, bleibt das Wetter weiter schön.“ Aktuell sind diese Flugmanöver der kleinen Vögel regelmäßig auf den heimischen Wiesen zu beobachten. Sie liefern waghalsige Flugeinlagen knapp über dem Erdboden zwischen den Beinen von Kühen und Pferden hindurch. Und warum? Weil sie auf der Suche nach Futter sind. Schwalben ernähren sich von Pollen und kleinen Tieren, die nicht selbst fliegen können. Der Deutsche Wetterdienst erklärt dieses Phänomen damit, dass bei einer stabilen Hochdrucklage diese Nahrung in die Höhe fliegt. Lässt der Hochdruckeinfluss aber nach, fällt diese Nahrung Richtung Boden.

Eine Witterungsregel lautet „Liegt nach Sonnenuntergang über Flüssen, Bächen und Wiesen ein dichter Nebel, so ist anhaltend schönes Wetter zu erwarten.“ „Ob die Bauernregeln überwiegend zutrafen, lässt sich schwer sagen. Denn über die Jahre und Jahrzehnte hinweg gab es teils gravierende Klimaverschiebungen, die den Beobachtungen nicht entsprachen. Die Bauernregeln sind also eigentlich Wahrscheinlichkeitsaussagen“, erklärt Wessel.

Erklärvideo: Bauernregeln