Kreis BorkenFREI

Ausbildungsstart in schweren Zeiten

IHK ehrt Unternehmen, die das erste Mal ausbilden

Dienstag, 11. Januar 2022 - 17:02 Uhr

von Josef Barnekamp

Ursprünglich wollte Lynn Pieper ja ein Lehramtsstudium beginnen. Dass es am Ende eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau wurde, das hat sie nicht bereut. „Ich habe Spaß am Kontakt mit Menschen, das Team macht mich happy. Ich bin hier richtig zuhause“, sagt die 21-Jährige, die ihre Ausbildung bei „Alfreds & Emils“ am Vredener Markt in diesen Tagen abschließt. Auch ihr Arbeitgeber ist froh, dass die Stadtlohnerin ihren Berufswunsch doch noch geändert hat und in eine Branche eingestiegen ist, die es derzeit besonders schwer hat.

Foto: Josef Barnekamp

Frisch getestet zum Foto auf die Couch (von links): IHK-Regionalchef Sven Wolf, die Teamleiterin Service bei Emils Gastro, Paula Kirst, Emils-Gastro-Managerin Ilonka Bulten, IHK-Vizepräsidentin Anja Meuter und Auszubildende Lynn Pieper.

VREDEN/KREIS BORKEN. Ursprünglich wollte Lynn Pieper ja ein Lehramtsstudium beginnen. Dass es am Ende eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau wurde, das hat sie nicht bereut. „Ich habe Spaß am Kontakt mit Menschen, das Team macht mich happy. Ich bin hier richtig zuhause“, sagt die 21-Jährige, die ihre Ausbildung bei „Alfreds & Emils“ am Vredener Markt in diesen Tagen abschließt. Auch ihr Arbeitgeber ist froh, dass die Stadtlohnerin ihren Berufswunsch doch noch geändert hat und in eine Branche eingestiegen ist, die es derzeit besonders schwer hat. Aber auch weil Pieper prima ins Team des Cafès und Bistros passte, habe man sich kurzerhand entschlossen, ihr eine Ausbildung anzubieten – zum ersten Mal überhaupt, sagt Ilonka Bulten, Managerin von Emils Gastro GmbH.

Vredener Unternehmen ist zum ersten Mal Ausbilder

Bulten bekam gestern – stellvertretend für alle Erst-Ausbilder im Kreis Borken – von der IHK eine Urkunde überreicht. „Ausbildung ist gerade jetzt wichtig, schließlich laufen wir auf einen massiven Fachkräftemangel zu“, sagte Sven Wolf, Leiter des IHK-Standortes Westmünsterland in Bocholt. Und auch IHK-Vizepräsidentin Anja Meuter (Gescher) betonte beim Ortstermin: „In der Gastronomie ist es ja gerade eher schwierig. Toll, wenn Betriebe sagen: Wir machen das.“ Emils Gastro setze in dieser Zeit mit der Entscheidung, in die Ausbildung einzusteigen, das richtige Signal. Meuter: „Ich hoffe, andere Unternehmen in der Region sehen das Signal und machen es ebenso.“

Immerhin 46 Betriebe im Kreis Borken haben im vergangenen Ausbildungsjahr erstmals ausgebildet, so Wolf. Das waren etwas weniger als in den Jahren zuvor, als gut 50 Unternehmen zum ersten Mal in ihrer Firmengeschichte Azubis eingestellt hatten. Insgesamt zählte die IHK vor Ort zuletzt 1047 Ausbildungsbetriebe mit 1523 Azubis. 2020 waren es 1117 Unternehmen mit 1510 Auszubildenden. Aktuell sei die Lage so, dass viele IHK-Firmen ausbilden wollten, aber oft keine interessierten Jugendlichen für einen Job fänden, so Wolf. Er sagte, man hoffe, dass sich künftig wieder mehr Gelegenheiten für Arbeitgeber und künftige Arbeitnehmer ergäben, sich kennenzulernen. Schließlich seien viele Ausbildungsmessen wegen Corona ausgefallen. Die Termine, die wie die „Nacht der Ausbildung“ stattgefunden hätten, seien aber prima angenommen worden.

Zahl der Azubis leicht gestiegen

Prima angenommen gefühlt hat sich auch Lynn Pieper bei ihrem Ausbildungsbetrieb, zu dem sie wechselte, nachdem ihr vorheriger schließen musste. Man habe Lynn schon vorher als Gast gekannt, sagt Ilonka Bulten. Als sich dann im Oktober 2020 die Gelegenheit ergab, sie einzustellen, habe man sich gesagt: „Warum lange warten“ – und sei in die Ausbildung eingestiegen, so die Chefin von rund 20 Beschäftigten. Klar seien die Zeiten gerade für die Gastro-Branche wegen der Pandemie schwierig, aber man habe sich weiterentwickelt, habe Außer-Haus-Angebote gemacht und sei insgesamt bislang ganz gut durchgekommen. „Wir müssen halt lernen zu surfen bei all den Wellen, die auf uns zukommen“, sagt Bulten.

Für Lynn Pieper steht in diesen Tagen noch die praktische Prüfung an. Danach kann sie bei „Alfreds & Emils“ bleiben. Die 21-Jährige kann sich gut vorstellen, noch eine Zusatzqualifikation als Sommelière (Weinkellnerin) dranzuhängen. „Ich möchte auch gerne noch einmal ins Ausland“, sagt sie. „Aber höchstens bis nach Winterswijk“, sagt Bulten und lacht. „Dann kannst du abends wieder bei uns sein.“