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Bocholter helfen in Uganda

„Ein Kampf um Leben und Tod“

Sonntag, 5. April 2020 - 20:00 Uhr

von Sabine Hecker

Auch in Uganda kämpft man mit der Coronavirus-Pandemie. Hilfe kommt aus Bocholt.

Foto: pd

Die Schule ist leer. Geblieben sind nur acht Waisenkinder, die derzeit auf dem Gelände arbeiten.

BOCHOLT. Das Coronavirus bedroht die Menschen überall auf der Welt. „In Uganda ist es zurzeit ein Kampf um Leben und Tod“, sagt André Bösing aus Bocholt.

Der Mitgründer des Ewaldi Children Education Fund schildert die schrecklichen Bedingungen, unter denen (nicht nur) die Kinder der Ewaldi Community School derzeit leben. Er startet jetzt eine Hilfsaktion für Uganda und hofft, mithilfe der Bocholter den Kindern des Schulprojekts und deren Familien zumindest etwas helfen zu können: Mit Spenden, von denen die Helfer des Projekts vor Ort in Uganda Care-Pakete kaufen und an die Familien verteilen können.

Vom Inhalt eines Paketes – je zwei Kilogramm Zucker, zwei Stück Seife, fünf Kilogramm Reis, Salz und Desinfektionsmittel sowie Mundschutz – könne eine Familie zwei Wochen überleben, sagt André Bösing. Am Beispiel des zwölfjährigen Mädchens Shanita beschreiben er und Schulleiter Steven Sango die Situation der rund 300 Schüler, die normalerweise die Ewaldi Community School besuchen.

Angespannte Situation

Vor zwei Wochen hätten die Schule sowie alle öffentlichen Einrichtungen wegen des Coronavirus geschlossen werden müssen. Das habe es noch nie gegeben, obwohl es in dem dörflichen Hinterland schon schwere Epidemien wie Cholera, Sars oder Ebola gegeben habe. Für Shanita heißt das, dass sie zu ihrer Familie muss. Normalerweise lebt sie auf dem Schulgelände und übernachtet mit 210 anderen Kindern im Schlafsaalgebäude. Bei ihrer Familie verbringt sie sonst nur die Ferien. Als Shanita nach der Schulschließung zu Hause bei ihrem Vater angekommen sei, habe niemand mit ihr gerechnet, berichtet Schulleiter Steven Sango.

Die Situation sei angespannt, denn der Vater und sein Onkel, beide sonst mit dem Motorradtaxi unterwegs, hätten keine Arbeit mehr. Wegen der Ansteckungsgefahr habe die Regierung ein Beförderungsverbot verhängt. So wie vielen anderen Familien fehle ihnen jetzt das Geld für die Grundnahrungsmittel.

Vorräte neigen sich dem Ende zu

Auch der Garten gebe derzeit nicht viel her. Die Kochbananen dort seien noch nicht essbar. „Shanita ist besorgt“, schreibt Sango. „Sie hat in den letzten Tagen in der Schule noch einiges über Corona erfahren, doch all die Schutzmaßnamen sind im Dorf nicht anwendbar, wo es weder Geld für Hygienemittel, geschweige denn Schutzmasken gibt.“ Die meisten Menschen in Uganda hätte überhaupt keine Möglichkeit, zu einer Gesundheitsstation zu kommen, denn es gebe keinen Transport mehr und das Geld werde immer weniger. Die Vorräte neigten sich bei vielen bereits nach zwei Wochen dem Ende zu. Einen Kühlschrank habe keiner, ergänzt André Bösing. Man ernähre sich in der Region sprichwörtlich von der Hand in den Mund. Shanita sage, sie wisse nicht, was schlimmer sei, das Virus oder die Ausgangssperre. Durch beides würden viele Menschen sterben.

So wie Shanita gehe es momentan fast allen Kindern der Ewaldi Community School und den meisten Kindern in Uganda. Steven Sango und seine Frau Annet, die die Schule leiten, machen sich laut Bösing große Sorgen um die Kinder. Für die Menschen in dem afrikanischen Land sei das Coronavirus „ein Horror“, schon lange bevor die Erkrankung überhaupt die Menschen erreicht habe. Die Nahrungsversorgung sei innerhalb von kurzer Zeit zusammengebrochen. Dienstausfälle von nur einer Woche seien für fast alle das Aus in ihrem Gewerbe.

Foto: André Bösing pd

Gegen Masern werden die Kinder geimpft. Gegen das Coronavirus gibt es noch kein Mittel.


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