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Zeitzeuge informiert über die DDR

Burkhard S. zu Gast in der Schönstätter Marienschule

Sonntag, 23. Juni 2019 - 10:00 Uhr

von Borkener Zeitung

Geschichte live erleben, das konnten die Schülerinnen der zehnten Klassen an der Schönstätter Marienschule im Rahmen ihres Geschichts- beziehungsweise Politik-Unterrichtes. Parallel zu den Jahrestagen – 70 Jahre BRD und 30 Jahre Mauerfall – beschäftigten sie sich mit den Lebensumständen in der ehemaligen DDR, teilt die Schule mit.

Foto: Gedenkstätte /Gvoon

Das Bild zeigt von dem ehemaligen Gefängnis Hohenschönhausen den Seitenhof mit Altbau (rechts) und das Haftkrankenhaus (links).

BORKEN. Geladen war dazu ein Zeitzeuge, Burkhard S., der über seine persönlichen Erfahrungen mit dem ostdeutschen Staatssystem in den 1970er und 1980er Jahren berichtete.

Vermittelt wurde der Zeitzeuge durch das Koordinierende Zeitzeugenbüro in Berlin, das als gemeinsame Servicestelle der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stiftung Berliner Mauer fungiert.

Schicksal von Burkhard S.

Burkhard S. erlebte folgendes Schicksal: Er versuchte in den 1970er Jahren seine Ostberliner Freundin, damals ein aktives Mitglied der FDJ, in die BRD zu holen. Bei dem Versuch fiel aber ihr gefälschter Reisepass auf. Burkhard S. wurde verhaftet und wegen „staatsfeindlichen Menschenhandels“ zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Er saß im ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen ein, bis er im September 1980 von der Bundesrepublik freigekauft wurde.

S. berichtete den Mädchen von seinen Hafterfahrungen in Hohenschönhausen – von der Ungewissheit und Orientierungslosigkeit eines Häftlings im verdunkelten Gefängnistransporter, über Missbrauchspraktiken bei der Ankunft in der Haftanstalt und schilderte detailliert den Alltag, in dem rigorose Vorschriften den Tagesablauf bestimmten. Mehrere Beispiele beschrieben ein System der Kontrolle und Schikane: das Verbot, tagsüber das Bett in der karg eingerichteten Zelle zu benutzen oder sich an die Wand zu lehnen, um die Häftlinge körperlich mürbe zu machen. Es war unbedingt vorgesehen, auf dem Rücken zu schlafen, mit den Händen auf der Decke, um Suizidversuche auszuschließen.

Permanente Kontrollen rund um die Uhr ließen nicht den geringsten Raum für Privatsphäre. Besuchsverbot, eine oftmals fensterlose Zelle, ein sogenanntes Ampelsystem auf den Fluren, welches jeden Kontakt mit anderen Häftlingen unmöglich machte, taten ein Übriges. In Frauengefängnissen war es sogar üblich, politische Häftlinge zusammen mit Kriminellen unterzubringen, manchmal teilten sich bis zu 16 Gefangene eine Zelle.

Die Bespitzelung der Bevölkerung als gängige Stasipraxis sowie die Anwerbung von Inoffiziellen Mitarbeitern waren weitere Themen.

Foto: pd

Der Zeitzeuge Burkhard S. informierte Realschülerinnen über seine Zeit in der DDR.


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