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Pfleger benötigen Schutzausrüstung

Die schwerste Zeit kommt noch

Sonntag, 5. April 2020 - 15:00 Uhr

von Sven Kauffelt

Gerade Pfleger, die mit vielen älteren Menschen in Kontakt kommen, benötigen Schutzausrüstung. Die ist aktuell aber Mangelware. So sieht es bei dem Roten Kreuz und der Caritas aus.

Foto: Mediteraneo - stock.adobe.com

Trost spenden ist gerade jetzt eine Hauptaufgabe für Mitarbeiter in der Pflege.

BORKEN. „Toi, toi, toi“, sagt Jürgen Puhlmann und man hört am Telefon, wie er auf Holz klopft. „Bisher haben wir keinen Corona-Fall in unseren Einrichtungen.“ Der Schutz von Patienten und Mitarbeitern ist derzeit die wichtigste und zugleich schwerste Aufgabe des Geschäftsführers des Roten Kreuzes (DRK) im Kreis Borken. „Seit zwei Wochen mache ich nichts anderes, als Schutzausrüstung aufzutreiben“, sagt er.

Weil es über das DRK-Präsidium Kontakte nach China gibt, hat Puhlmann da im Moment mehr Glück als andere. „Ich warte im Moment auf 50.000 FFP2-Masken“, sagt er. Zumindest ein Teil davon ist wohl am Freitag am Flughafen in Frankfurt angekommen. Das hilft erstmal, genauso wie die 2000 Schutzbrillen, die nächste Woche eintreffen sollen. Was noch fehlt, sind Schutzkittel. „Da ist im Moment nur sehr schwer ranzukommen“, so Puhlmann. Von den Lieferungen bekommen auch andere Träger wie die Caritas und Krankenhäuser etwas ab. Man hilft sich in diesen ungewissen Zeiten.

Belastende Situation

„Wir wissen alle nicht, was noch kommt“, sagt Stefan Kneermann, Bereichsleiter Pflege bei der Caritas. Für Patienten wie Mitarbeiter sei die Situation belastend, zumal alle sich darauf einstellen, dass die Kontaktsperre für die alten Menschen noch lange aufrecht erhalten wird. Caritas-Geschäftsführer Matthias Brinkmann stellt seine Mitarbeiter auf eine lange, schwere Zeit ein: „Ich befürchte, dass wir erst am Anfang stehen, was insbesondere die Isolation stationärer Einrichtungen anbelangt.“

Unzureichende Schutzausrüstung, isolierte Patienten, verunsicherte Mitarbeiter: In dieser Gemengelage bewegt sich gerade der Arbeitalltag von Susanne Biallas, die im DRK den Bereich Ambulante Pflege und Soziale Dienste leitet. „Die Patienten gehen ganz unterschiedlich mit der Situation um“, berichtet sie, „manche haben große Angst und wollen auch nicht, dass wir im Moment in die Wohnung kommen. Und auf der anderen Seite haben wir demente Patienten, die die Situation nicht erfassen können. Da müssen wir dann eher bremsen und sagen: Im Moment besser nicht umarmen.“

Auch für Angehörige eine schwere Lage

Tragisch sei auch das seelische Leid vieler Angehörige. „Wenn man seine Mutter jeden Tag besucht hat, kann man sich vorstellen, wie schmerzhaft es jetzt ist, das nicht mehr zu dürfen. Und nach drei Wochen erkennt sie einen vielleicht nicht mal mehr. Das ist sehr hart.“ Die Mitarbeiter müssten daher im Moment noch mehr Seelsorger sein als sonst, „sind aber auch selbst mit der Angst belastet, dass sie Überträger sein könnten, die Patienten unwissentlich anstecken könnten“. Die Schutzkleidung hat deshalb auch einen psychologischen Aspekt. Obwohl er weiß, dass sie nur das Gegenüber, nicht den Träger selbst schützen, hat Stefan Kneermann in den Caritas-Sozialstationen selbstgenähte Masken verteilt. „Der Anblick allein beruhigt manche Patienten schon“, sagt er.

Weitere Lieferungen insbesondere der FFP2-Masken, die auch dem Träger zumindest etwas Schutz bieten, werden händeringend erwartet. „Ich habe das Gefühl, alle warten gerade auf das große Containerschiff, das Masken und Schutzkittel bringt“, sagt Caritas-Chef Brinkmann.

Und da müssen sich die Träger weiter selbst behelfen. „Was von staatlicher Seite kommt, reicht hinten und vorne nicht“, sagt Brinkmann. „Da kommen vielleicht 50 oder 100 Masken. Für die Versorgung eines Patienten bräuchten wir im Schichtdienst aber schon 14 Masken pro Woche.“

Schafft es das Coronavirus in eine stationäre Einrichtung, „hätten wir aktuell nicht genügend Material“, sagt Susanne Biallas vom DRK. In den Demenz-WGs habe man zwar auch die für den direkten Kontakt mit infizierten Patienten vorgesehenen FFP3-Masken. „Aber der Bestand würde dann nur für einen Tag reichen.“ Sie hofft, dass sich das über die China-Kontakte der Geschäftsführung noch ändert. Oder besser noch, dass sie nicht benötigt werden.


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