Borken

Neues Kapitel im Leben alter Schinken

Deko-Bücher

Montag, 16. November 2020 - 20:00 Uhr

von Peter Berger

Was tun mit alten Schinken? Wegschmeißen kommt für diejenigen, die Bücher als Kulturgut betrachten, eher nicht in Frage. Weiterreichen an Secondhandläden? Möglich, aber da ist wahrscheinlich auch nicht für jeden ausgelesenen Schmöker Platz.Sonja Knoop aus Borken hat bei der Weiterverwendung von altem Lesestoff ein neues Kapitel aufgeschlagen

Foto: Lilly Schmidt

Die Bücher spannt Sonja Knoop in einen Rahmen ein, um sie besser falten und schneiden zu können.

BORKEN. . Sie faltet und schneidet in die innere Kante der Seiten Muster, Porträts und Schriftzüge, so dass aus den Büchern ungewöhnliche Deko-Objekte werden. Das kann ein Sinnspruch sein (Carpe diem: Nutze den Tag), das kann das Abbild eines berühmten Zeitgenossen sein. Sehr beliebt seien Herbert Grönemeyer und Udo Lindenberg, sagt Sonja Knoop lächelnd.

Sonja Knoop faltet Bücher kunstvoll

Motive passend zum Roman

Wenn es sich anbietet, versucht sie das Motiv auf den Buchinhalt abzustimmen. Bei Stephen King‘s Horrorklassiker Es zeichnet sich beispielsweise der Gruselclown Pennywise auf der Innenseite ab. Der Jahreszeit entsprechend fertigt Knoop derzeit auch Krippen aus alten Büchern. Dafür setzt sie das Skalpell etwas großzügiger an, damit zwischen den Buchdeckeln ein Hohlraum entsteht, den sie mit einer Miniatur-Ausgabe der heiligen Familie und ein paar LED-Lichtlein bestückt.

Das Schnittmuster lässt sich Knoop durch ein Computerprogramm skizzieren. Seite für Seite schnibbelt sie sich dann mit Hilfe eines selbstgebauten Spannrahmens durchs Buch. Das dauert zwischen fünf und 15 Stunden, schätzt sie. „Langeweile habe ich in dieser Corona-Zeit jedenfalls nicht“, nennt die Borkenerin einen weiteren Vorteil ihrer Lieblingsbeschäftigung.

Ausgebucht bis März

Auf die Idee zu „Sonjas Faltenreich“, wie sie ihre Buch-Gestaltung auch auf Instagram nennt, sei sie vor drei Jahren gekommen. Einen Blumenstrauß zu Muttertag verschenken, das erschien ihr mit der Zeit zu unoriginell. „Dann habe ich ein bisschen im Internet gestöbert und wurde fündig“, blickt sie auf ihre Anfänge zurück. Inzwischen hat sich ihre Heimarbeit herumgesprochen. Viele Leute bestellten online ein individualisiertes Exemplar, gern mit ihrem Lieblingshaustier, dessen Foto Knoop auf die Vorlage überträgt.

Hauptberuflich ist die 52-Jährige im Schichtdienst eines Textilwerks tätig. Mit ihrem Hobby sei sie praktisch bis März „ausgebucht“, sagt sie. Das Falten und Schneiden sei für sie eine wunderbare Entspannung. Nachschub-Sorgen muss sie sich vorerst nicht machen. Ihre Leidenschaft habe sich herumgesprochen, so dass sie durch diverse Haushaltsauflösungen und Bücherregal-Ausmisten an die 1000 Bände auf Vorrat hat.

Spenden kommen behindertem Kind zugute

Abgesehen davon, dass die Bücher als Deko „weiterleben“, hat Knoops Faltkunst noch eine weitere positive Seite. Statt sie zu bezahlen, spenden die Abnehmer auf Knoops Wunsch in freiwilliger Höhe für einen guten Zweck. Bekannte von ihr hätten einen behinderten Sohn. Die Familie könne Geld für Hilfsmittel und Therapien, die die Krankenkasse nicht übernimmt, gut gebrauchen, sagt Knoop.

Foto: Lilly Schmidt

Mit Hilfe eines Computerprogramms druckt sich Knoop ein seitengenaues Schnittmuster aus (im Bild: Snoopy).

Foto: Peter Berger

Auch mit einer Krippe lässt sich einem alten Schmöker neues Leben einhauchen.