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Bauern sind zu ehrlichem Diskurs bereit

Beitrag von Jörg Sümpelmann, Geschäftsführer des Kreis-Bauernverbandes

Donnerstag, 9. August 2018 - 08:45 Uhr

von Jörg Sümpelmann

Im Rahmen der BZ-Serie „Mensch & Tier“ haben wir den Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes um einen Gastbeitrag zur Situation der Landwirtschaft gebeten:

Foto: pixabay

Milchpreise richten sich nach dem Markt. Was können Landwirte und Verbraucher gemeinsam tun?

BORKEN. Wir müssen essen, um zu leben. Landwirtschaft sichert dieses Grundbedürfnis fast exklusiv. Sie ist in unserer arbeitsteiligen Welt quasi systemrelevant. Landwirt sein ist spannend, anspruchsvoll und von Wandel und Innovation geprägt. Oft anstrengend, ja – aber auch reizvoll und erfüllend. Landwirtschaft folgt einem Sinn, der wichtig ist. Wo sonst kann man in Familienstrukturenzusammenarbeiten, mit klaren Wertvorstellungen und Rollen, in einem flexiblen Arbeitsalltag zuhause tätig sein im Zusammenspiel von Natur und Technik?

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Das muss klar sein: Bauern müssen von ihrer Landwirtschaft leben können, sonst macht das keiner. Neben die alte „Romantik auf dem Lande“ tritt mehr und mehr eine durchorganisierte und effizienzgetragene Wirtschaftsweise, die die Wahrnehmung von Landwirtschaft prägt. Die Arbeit in der Natur und mit den Tieren ist die große Herausforderung. Weder beim Tier noch auf den Feldern kann man „sicher planen“. Natürlich kann man damit rechnen, dass es im Sommer warm und auch heiß wird.

Foto: pd

Jörg Sümpelmann

Aber so lange, und so trocken? Und im nächsten Monat oder Jahr regnet es so stark, dass alles überflutet wird. Es gibt keine vollständigen Lösungen, sondern oft nur situative Entscheidungen, das Richtige zu tun, um Tiergesundheit, Liefertermine und Qualitätsanforderungen einzuhalten. Und erst zum Schluss zeigt sich, ob die Ernte lohnt, ob der Milchpreis „stimmt“ oder der Kilopreis fürs Schwein.

Wir geben kaum Geld fürs Essen aus

Das Umfeld, in dem Bauern heute wirtschaften, ist nicht einfach. Deutschland ist ein Massenmarkt. Fast jeder von uns isst gern sein Stück Fleisch. Wir geben aber nur gut zehn Prozent (etwa der neuntgeringste Wert weltweit!) unseres Nettoeinkommens für Nahrungsmittel aus. Den größten Anteil daran machen laut Statistischem Bundesamt Fleisch und Fisch aus, gefolgt von Obst, Gemüse sowie Kartoffeln vor Brot, Getreideerzeugnissen, Milcherzeugnissen und Eiern. Diese Zahlen sind schon seit Jahren so. Bei allem Diskutieren und Fordern von mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Landwirtschaft haben biologische Lebensmittel einen Marktanteil von etwa 5,5 Prozent. Am ehesten sparen wir bei den Lebensmitteln. Der Lebensmittelsektor berichtet, dass Verbraucher ab vier Prozent Preissteigerung weniger kaufen oder auf Ersatzerzeugnisse ausweichen. Zum Monatsende dominieren Sonderangebote.

Landwirt richtet sich am Markt aus

Der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland hat sich derart stark konzentriert, dass die Verkaufsfläche für Lebensmittel bei uns etwa doppelt so hoch ist wie in Frankreich. Wettbewerb bei uns ist vor allem Preiswettbewerb. Auch wenn der Lebensmitteleinzelhandel mit regionalen Erzeugnissen oder Nachhaltigkeitszertifikaten in Hochglanz wirbt, vieles kauft er dort ein, wo es am günstigsten ist, egal wo das auf der Welt ist. Unsere Bauern richten sich an diesem Markt aus, auf dem die Verbraucher letztlich an der Kasse mitbestimmen, was sie kaufen wollen. Das ist keine Klage, aber so sind die Fakten. Bei allem Erfolg der Branche reicht der Verdienst leider nicht bei jedem aus, und es kommt zu Betriebsaufgaben und Konzentrationen. Das ist in der Landwirtschaft nicht anders als anderswo.

Mit ihrem Ansatz der Nachhaltigkeitsoffensive, ihrer Initiative Tierwohl, ihrem Kooperationskonzept zur Verringerung von Nitrateintrag in Trinkwasserreservoirs wie auch mit vermehrt wieder sichtbaren Blühstreifen kommen Bauern Kritikern entgegen. Sie sind offen und bereit für einen ehrlichen gesellschaftlichen Diskurs über das, was wir wollen und was wir können. Am Ende muss es sich rechnen, auch für die Bauern.

Ulrich Kranenburg 09.08.201811:51 Uhr

Zu oft hat man den Eindruck, als wären die Landwirte die
Bauernopfer in unserem Gesellschaftsmodell.


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