Borken

An den Ladesäulen in Borken läufts noch nicht flüssig

BZ-Volontär testet E-Mobilität-Infrastruktur

Freitag, 18. September 2020 - 12:00 Uhr

von Stephan Werschkull

Die Zahl der Elektroautos im Kreis Borken nimmt rapide zu, doch kann die Infrastruktur mithalten? BZ-Volontär Stephan Werschkull hat den Selbstversuch gemacht.

BZ-Volontär Stephan Werschkull testete die Lade-Infrastruktur für Elektro-Autos, hier am Bahnhof.

BORKEN. 2016 gab es im Kreis Borken laut Kreisverwaltung 149 E-Fahrzeuge. Ende Juli 2020 waren es bereits 868 – also fast das Sechsfache. „Aufgetankt“ werden können die Fahrzeuge an Ladesäulen. Entweder nutzt man öffentliche Säulen oder baut sich auf dem heimischen Grundstück eine eigene Ladegelegenheit. Kostenpunkt: Zwischen 300 und 700 Euro bei den meisten Geräten. Wer sich diese Investition sparen will oder auf der Durchreise ist, der ist darauf angewiesen, dass es öffentliche Ladesäulen gibt. Diese kann man über diverse Internetdienste finden, die Karten bereitstellen.

Selbsttest: In einem E-Auto durch Borken

Der erste Versuch: Ich will das Auto am Bahnhof laden. Idealer Ladepunkt für Pendler, die ihr Auto dort ohnehin stehen lassen wollen, weil es für sie per Bus und Bahn weitergeht. Laut Internetseite der Stadtwerke sollte die Ladesäule für jedermann nutzbar sein: Einfach den angebrachten QR-Code scannen, die Bezahlmethode auswählen und laden. Klingt einfach. Die Realität sieht anders aus, es befindet sich kein QR-Code am Gerät. Lediglich Kunden der Stadtwerke, die eine spezielle Kundenkarte für die Auto-Ladesäulen haben, können dort ihre Auto-Batterie wieder füllen.

Drei Stationen werden mit QR-Codes nachgerüstet

„Zeitnah“ werde man die QR-Codes nachrüsten, sagt Stadtwerke-Sprecherin Antje Evers auf BZ-Anfrage. Aktuell fehle diese Bezahlmöglichkeit bei den drei älteren Ladestationen am Bahnhof, am Rathaus und an der Ostlandstraße.

Eine neuere Lademöglichkeit der Stadtwerke finde ich in der Innenstadt am De-Wynen-Platz. Dort klappt es auch mit dem Aufladen. Ich scanne den QR-Code mit dem Handy, muss dann Namen, Mail-Adresse und Kreditkarten-Daten hinterlegen und kann dann tanken. 47,77 Cent zahle ich pro Kilowattstunde und zusätzlich einen Grundpreis je angefangene halbe Stunde Ladezeit von 97 Cent. Der Grundpreis wird aber erst nach über 2,5 Stunden fällig.

So teuer wird das Laden

Bei einem Smart Fortwo mit einer Kapazität von 17,6 Kilowattstunden und einer Ladezeit von unter 2,5 Stunden (Daten laut ADAC) würden für ein Mal „Volltanken“ 8,41 Euro fällig. Bei einem größeren Auto, Beispiel Tesla Model 3, das 75 Kilowattstunden als Akku-Kapazität vorweist und eine Ladezeit von 5,45 Stunden hat, würden 35,83 Euro für die Ladung fällig und zuzüglich 4,85 Euro Parkgebühr. Insgesamt also 40,68 Euro.

Mit Kundenkarte kostet es weniger

Wer eine Kundenkarte bei den Stadtwerken hat, Einrichtungsgebühr 47,77 Euro (Bestandskunden zahlen nur 17,77 Euro), bekommt den Strom fürs Fahrzeug preiswerter: 38,01 Cent pro Kilowattstunde – die Parkgebühr von 97 Cent je angefangene halbe Stunde nach über 2,5 Stunden bleibt gleich. Der Smart Fortwo würde dann für eine Ladung 6,69 Euro kosten, die Ladung des Tesla Model 3 würde 33,35 Euro kosten. Bezahlt werden kann, wenn man noch keine Kundenkarte hat, über eine Webseite, die man über einen QR-Code auf der Ladesäule aufrufen kann.

Ladesäulendichte in der Innenstadt ist hoch

Preisgünstiger für spontane Kunden ist die Ladung bei dem Anbieter Innogy, der eine Ladesäule auf der Avia-Tankstelle an der Ahauser Straße betreibt. 39 Cent zahlt der Kunde hier pro Kilowattstunde – ohne einen Vertrag abschließen zu müssen und ohne Parkgebühr. Doch als ich die die Ladesäule ansteuere, finde ich dort keinen Hinweis, wie ich verfahren soll. Erst durch die Hilfe der Tankstellenangestellten an der Kasse erfahre ich: Zuerst muss die App „eCharge“ heruntergeladen werden. 6,86 Euro zahlt hier ein Smart-Fortwo-Fahrer für eine Akku-Ladung, ein Tesla-Model-3-Fahrer zahlt 29,25 Euro für die Ladung seines Fahrzeugs.

Was bereits nach wenigen Tagen, die ich mit einem E-Auto unterwegs bin, auffällt: Es gibt keine einheitlichen Standards. Der Strompreis, die Bezahlmöglichkeiten und auch die Kartierung der Ladesäulen unterscheidet sich. Dadurch muss man mehrmals seine Daten eingeben und teilweise sogar verschiedene Apps herunterladen.

Praktisch: In der Innenstadt ist das Netz der Ladestationen recht dicht. Kann eine Station – wie am Bahnhof – nicht genutzt werden, ist die nächste Station nicht weit. Keine Ladesäulen gibt es hingegen in Hovesath. Wer dort lebt, muss entweder eine private Ladestation bauen oder in die Innenstadt fahren, um sein E-Auto zu laden.