BorkenFREI

„Du“ oder „Sie“: Wie sollten Schüler ihre Lehrer ansprechen?

BZ-Umfrage an Borkener Schulen

Donnerstag, 22. September 2022 - 11:50 Uhr

von Hannah Klimek

In einem neuen deutschen Film wird die Frage aufgeworfen, ob Schüler Lehrer siezen sollten. Hannah Klimek aus dem Schulze-Team hat sich bei Schulen in Borken umgehört, wie der Umgang zwischen Schülern und Lehrern abläuft. Es gibt Befürworter des Siezens, aber auch des Duzens. Wie würdet ihr die Frage beantworten? Im Text könnt ihr abstimmen.

Foto: picture alliance/dpa

Du oder Sie: Die Ansprache von Schülern an Lehrer unterscheidet sich an den Schulen.

BORKEN. In der Komödie „Lehrer kann Jeder“ stellt sich Christoph Maria Herbst, als arbeitsloser Mathematiker den Herausforderungen des Quereinstiegs in den Lehrberuf. Dabei kommen unterschiedliche Konfliktsituationen zustande. Eine Frage, die der Film aufwirft ist, ob es noch zeitgemäß ist, dass Schüler ihre Lehrer siezen. Wie halten Schulen in der Region es mit dem Siezen?

Schönstätter Marienschule: Siezen ist Pflicht

An der Schönstätter Marienschule ist das Siezen grundsätzlich Pflicht, außer im fünften Schuljahr, wo doch noch der ein oder anderen Schülerin das Du herausrutscht. „Teilweise korrigieren sich die Schülerinnen dann schon gegenseitig. Nach den Herbstferien weise ich auf das Siezen hin“, berichtet Schulleiter Achim Brunsbach. Das Schülerinnen das Duzen aus provokativen Gründen nutzen, kennt er aus seinem Unterricht und von der SMS nicht. „Die Schülerinnen wissen, dass das Siezen mit dem Respekt gegenüber dem Lehrkörper zu tun hat.“ Für Brunsbach ist es aber nicht nur eine Respektsbekundung, sondern auch ein Mittel, um eine gewisse Distanz zwischen Schüler und Lehrer zu wahren: „Es soll ein Vertrauensverhältnis entstehen, aber auch der nötige Abstand, um klare Grenzen ziehen zu können.“ Für ihn ist es auch wichtig, dass die Schülerinnen das Siezen verinnerlichen, weil dies üblicherweise im Berufsalltag immer noch erwartet wird. „Es wäre schlecht, wenn ein Schüler direkt in eine Firma kommt und zum Gesellen oder Meister Du sagt“, erläutert er. „Das wird in der Gesellschaft immer noch als unhöflich angenommen.“

Gymnasium Remigianum: Es könnte sich wandeln

Auch am Gymnasium Remigianum wird ebenfalls noch die Siezkultur gelebt. Carina Gesing, Deutsch- und Geschichtslehrerin sieht im Siezen ebenfalls eine Hilfe zur Wahrung der professionellen Distanz. Als Deutschlehrerin sieht sie aber auch, wie die deutsche Sprache sich stetig weiterentwickelt und verändert. So wie das Gendern immer weiter Einzug in das geschäftliche, akademische, aber auch private Umfeld hält, hält Gesing es auch für möglich, dass das Duzen immer salonfähiger wird. 

„Normalerweise siezen uns die Schülerinnen“, berichtet sie, „für das gemeinsame akademische Arbeiten ist es angenehmer.“ Dabei erinnert sie in Bezug auf Sprachwandelphänomene an das Trampelpfad Modell von Rudi Keller. „Was für die Mehrheit praktikabel ist, wird auch praktiziert.“ Für Gesing ist es denkbar, dass in Zukunft das Duzen an den Schulen in Deutschland mehr in den Fokus genommen und man zu einem anderen als dem traditionellen Vorgehen gelangen wird. 

Montessori: Duzen ist seit Jahren normal

Dieses Vorgehen herrscht in der Monetssori Grund- und Gesamtschule schon lange. „Das Duzen ist hier schon seit Jahren Prinzip“, bestätigt Schulleiter Gregor Knors auf Nachfrage. „Wir haben erstmal die Vorstellung, dass zwei Personen, zwei Persönlichkeiten aufeinandertreffen, egal ob Lehrer oder Schüler und dass man sich sozusagen als Persönlichkeit auf einer Ebene begegnet.“ Knors sieht gerade deshalb einen pädagogischen Mehrwert im Duzen und an seiner Schule ist es ausdrücklich erwünscht. „Bei uns gibt es keine Schüler, die die Lehrer trotzdem siezen. Wir haben keine Oberstufe. Würden wir ältere Schüler unterrichten, dann gäbe es vielleicht Situationen, in der das üblicher wäre, aber so ist es nicht der Fall.“ Die Frage des Respekts hat für den Schulleiter nichts mit dem Siezen zu tun. „Da sind ganz andere Punkte entscheidend. Respekt haben die Schüler, wir haben Respekt voreinander, wie in einer Familie auch.“

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