Velen
Mit Organisation und Disziplin
11.01.2012

Mit Organisation und Disziplin

Vor 90 Jahren - am 11. Januar 1922 - wurde erstmals ein Diabetiker mit Insulin behandelt. Wie geht Spitzensportler Daniel Schnelting mit der chronischen Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus Typ 1 um?

Von Irmgard Jünck

VELEN. Für Diabetes-Patienten ist sie lebensrettend: die Insulinspritze. Der kanadische Arzt Frederick Banting erhielt für seine medizinische Neuentdeckung den Nobelpreis. Heute vor 90 Jahren, am 11. Januar 1922, konnte erstmalig das Leben eines Patienten, das Leben des 14-jährigen Leonard Thompson, durch das damals neue Medikament gerettet werden. Spitzensportler Daniel Schnelting, gebürtig aus Oeding, lebt seit seinem fünften Lebensjahr mit der chronischen Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus Typ 1.

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Der 1,96 Meter große Leichtathlet vom LAZ Rhede, mehrfacher Goldmedaillengewinner und Deutscher Meister im 200-Meter-Sprint, zeigt, welche sportlichen Leistungen als Diabetiker möglich sind. Im BZ-Interview beantwortet der 25- jährige Sport- und Gesundheitskoordinator von Sportschloss Velen einige Fragen.

Wie sind Sie zum Leistungssport gekommen?

Schnelting: Bereits in der Grundschule wurde mein Talent erkannt. Man hatte wohl gesehen, dass ich gut rennen und springen kann. Aber erst im Alter von 13 Jahren bin ich zur Leichtathletik gekommen. Die ersten größeren Erfolge hatte ich ab dem 17. Lebensjahr. Zuvor habe ich einfach gern Fußball gespielt.

Sport und Diabetes, wie passt das zusammen?

Schnelting: Generell gilt: Der Blutzucker muss gut eingestellt sein. Dafür kontrolliere ich regelmäßig meinen Blutzucker, esse bewusst und spritze die notwendige Menge Insulin. Durch den Sport benötige ich viel weniger Insulin.

Deshalb ist es wichtig, meine Blutzuckerwerte regelmäßig selbst zu messen. So habe ich meine Blutzuckereinstellung immer im Auge, um beste Leistungen bringen zu können sowie meine Ziele zu verwirklichen – aber auch um schweren Folgeerkrankungen des Diabetes vorzubeugen.

Die Eigenschaften „Selbstorganisation“ und „Disziplin“, die ich als Sportler benötige, sind auch für mein Leben als Diabetiker wichtig, um eine gute und dauernde Blutzuckereinstellung zu erzielen.

Wie oft messen Sie die Blutzuckerwerte am Wettkampftag?

Schnelting: Sieben bis neun Mal messe ich – das ist mir inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Am Wettkampftag messe ich öfter, um die Blutzuckerwerte optimal einzustellen.

Denn Stress kann sich auf die Werte auswirken. 20 Minuten vor dem Start messe ich den letzten Blutzuckerwert.

Heute ist das sehr einfach und schnell, weil ich mein iPhone immer dabei habe und mein Messgerät damit verbunden ist.

Sie gehen offen mit Ihrer Erkrankung um. Wie reagiert Ihr Umfeld?

Schnelting: Natürlich spreche ich mit anderen Sportlern über meine Diabeteserkrankung. Auch die Ärzte und Trainer müssen informiert sein, damit sie im Notfall wissen, was zu tun ist. Ich gehe mit dem Thema auch an die Öffentlichkeit als Botschafter der Aktion „Wissen, was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7“.

Ich finde es wichtig, die Bevölkerung über Diabetes aufzuklären und Diabetikern die für sie wichtigsten Maßnahmen zu verdeutlichen.

Welche sportlichen Ziele haben Sie?

Schnelting: Bei der Olympiade in London in diesem Jahr möchte ich an den Start gehen. Ich trainiere hart dafür, die Norm von 20,45 Sekunden auf 200 Metern zu erreichen. Meine Bestzeit liegt derzeit bei 20,53 Sekunden. Bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Helsinki oder der Deutschen Meisterschaft könnte die Qualifikation klappen.

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