
Erdgas: Kurzer Boom, ewige Schäden
-Elmar Ries- Zustände wie in den USA? Beim Thema Erdgas-Förderung in Deutschland lieber nicht. So jedenfalls lautet die Quintessenz des Expertenkreises, dessen Mitglieder gestern in Münster von dem berichteten, was sie unlängst jenseits des Atlantiks erlebt und gesehen haben.
Bohr- und Förderplätze dicht an dicht, verknüpft durch ein landschaftszerschneidendes Pipeline-Netz; immer wieder unkontrollierte Gas-Freisetzungen, Umweltverschmutzungen und Behörden, die das im Grunde nicht interessiert. Von einer „Wild-West-Mentalität“ sprach Prof. Martin Sauter vom Geowissenschaftlichen Institut der Uni Göttingen.
Klar, die USA sind weit weg. Und die dortigen Zustände nicht ohne Weiteres übertragbar. Aber: „Die Umweltschäden sind auch hier theoretisch vorstellbar“, erklärte der Umweltrechtler Prof. Alexander Roßnagel.
Nachteile für die Umwelt sind in den USA nur eine Facette des Erdgas-Hypes. Ein nur befristeter Boom der andere. Langfristige Jobs, dauerhaft sprudelnde Steuerquellen: Fehlanzeige. Dafür sei die Landschaft durch Tausende versiegelter Förderplätze auf ewig beeinträchtigt. Der Flächenverbrauch beim Gas-Fördern sei nämlich „beachtenswert“, sagte Roßnagel.
Das wäre im Fall einer Förderung wohl auch hierzulande so. Bis zu 50 jeweils mindestens einen Hektar große Förderplätze auf einer Fläche von 100 Quadratkilometern seien denk- und machbar, betonte der Darmstädter Umweltplaner Helmut Schnebel. Keine schönen Aussichten.
Nach massiven Protesten im Münsterland hatte der US-Öl-Konzern Exxonmobil den Expertenkreis 2011 als unabhängiges Gremium ins Leben gerufen. Exxonmobil will bekanntlich in Nordwalde, Drensteinfurt sowie Borken nach Erdgas suchen.
Elmar Ries
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