Borken
Lisa Bassenge im Stadtmuseum
05.02.2012

Schmeicheln, werben, zweifeln

Die Berliner Jazz-Sängerin Lisa Bassenge begeisterte ihr Publikum in Borken.

Von Elvira Meisel-Kemper

BORKEN. Eine attraktive Frau in einem elegant-erotischen Kleid mit vielen Glitzerperlen ist nicht zwingend der Garant für gute Musik. Bei Lisa Bassenge war das anders. Als sie die Bühne im Stadtmuseum in Borken betrat, ging ein Raunen durch die zahlreich vertretene Männerwelt. Staunen erfasste dann im Verlauf des rund dreistündigen Konzerts beide Geschlechter der knapp 190 Besucher. Bassenge präsentierte mit Paul Kleber (Bass), Christoph Adams (Piano) und Rainer Winch (Percussion) ein berührendes, ungewöhnliches Konzert.

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Längst hat sie sich einen Namen gemacht, indem sie einen Stil pflegt, der in keine der üblichen Schubladen passt. Bassenge ist ausgebildete Jazzmusikerin, schreibt und komponiert selber. „Was ich schreibe, ist zwischen den Stühlen, zwischen den Beziehungen, zwischen Fisch und Fleisch. Und so ist auch meine Musik“, bestätigte sie im Pausengespräch. Nicht das Weltgeschehen interessiert sie, sondern das Ich-Erlebnis mit all seinen Licht- und Schattenseiten.

Die meisten Songs, die Bessange bei diesem Konzert präsentierte, stammten von ihrem neuesten Album „Nur fort“, in dem sie ihren Stil zwischen Jazz, Blues, ein bisschen Pop, ein bisschen Ethno-Sound und ein wenig Chanson gefunden zu haben scheint.

Bassenge wurde zum Aushängeschild für jungen deutschen Jazz, der sich gerade in Berlin entwickelt. Dort lebt sie genauso wie ihre hervorragenden Musiker. Gegenseitiger Respekt und musikalische Selbstsicherheit prägten nicht umsonst das Konzert. Bassenges Stimme konnte schmeicheln, werben, zweifeln, ohne kitschig zu werden. Die Hildegard-Knef-Klassiker „In dieser Stadt bin ich zu Hause“ und „17 Millimeter fehlten mir zum Glück“ waren eine Hommage an die Sängerin, die vor zehn Jahren starb. Die Knef sei eines ihrer großen Vorbilder, gestand sie dazwischen charmant und überzeugend. Die Interpretation war genauso überzeugend. Bassenge machte den Titel zu ihrem Song, ohne den letztlich vergeblichen Versuch die Stimme der Knef nachzuahmen.

Auch das musikalische Arrangement der Band in den Solopassagen machte daraus etwas fast vollkommen Neues. Sphärische Klänge gemischt mit orientalisch angehauchten Rhythmen können als Verneigung vor der iranischen Herkunft der Mutter von Bassenge gedeutet werden. Ihrer Heimatstadt Berlin setzte Bassenge in einem ihrer vielen eigenen Songs ein Denkmal. „Ein Tag, den du magst“ könnte ebenso ein Song sein, den viele mögen. „Hörst du nicht mein Herz“ geriet Bassenge zu einer poetischen Ballade über das Entgleiten einer Liebe. Daneben gab es jedoch auch die kokette Bassenge, die ihren leicht unterkühlten Charme mit vollen Händen ins Publikum warf.

Der Dank war ihr gewiss und äußerte sich in einem minutenlangen, begeisterten Applaus.

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