Borken
Gemenwirther Nerz-Züchter klagt / Kleine Käfige bleiben vorerst
10.12.2011

Gehege sollen größer werden

Eigentlich müssen die Käfige für Nerze laut Gesetz größer werden. Auf der Gemenwirther Nerz-Farm bleibt aber zunächst alles unverändert. Der Betreiber geht juristisch gegen die neue Verordnung vor.

GEMENWIRTHE (kus). Eigentlich sollen Nerze in Pelztierfarmen ab Montag größere Käfige bekommen. Für die 2500 Tiere in der Anlage in Gemenwirthe wird es aber vorerst nichts mit dem einen Quadratmeter pro Nase, den die Nutztierhaltungsverordnung ab dem 12. Dezember vorsieht. Sie werden zunächst weiter auf je 2700 Quadratzentimetern leben.

„Es läuft eine Klage“, erklärt Jürgen Brokamp, warum die Verordnung noch nicht umgesetzt wird. Der Gemenwirther ist Vorsitzender des Interessenverbandes der Pelztierzüchter. Und die wollen die auf zehn Jahre gestaffelte Verordnung nicht ohne Gegenwehr hinnehmen. „Das Gesetz schadet den Tieren“, sagt Brokamp, dessen Familie die Nerzfarm in Gemenwirthe an einen niederländischen Betreiber verpachtet hat und selbst in Mecklenburg Nerze züchtet. Seit einigen Jahre habe er versuchsweise Gehege so eingerichtet, wie es die Verordnung vorsieht, unter anderem mit einem Wasserbecken für die Tiere. Lungenentzündungen und Harnwegsentzündungen bei jedem zweiten Tier seien die Folge, sagt Brokamp. Der Züchter setzt auf ein Gutachten, nach dem es sich bei den Farm-Nerzen um domestizierte Tiere handele. Bei der Formulierung der neuen Richtlinien seien die Politiker im Bundestag aber davon ausgegangen, dass Farm-Nerze Wildtiere seien. Das könne die Verordnung kippen. Eine juristische Klärung stehe aus.

Werbung

Eine ganz andere Sicht der Dinge haben die Tierschützer. Für Daniel Ehmann von der Tierschutz-Organisation Peta ist die Verordnung zwar ein Schritt in die richtige Richtung, dennoch sei die Pelztierhaltung weiterhin Tierquälerei. „Die Tiere leiden in Gefangenschaft sehr“, sagt Ehmann. Verhaltensstörungen seien die Folge. „Sie drehen sich wild im Kreis und verstümmeln sich selbst.“ Ehmann hofft, dass sich durch die strengeren Vorgaben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Farm-Betreiber so weit verschlechtern, dass Betriebe geschlossen werden müssen. Derzeit gebe es in Deutschland 20 Pelztierfarmen. Die in Gemenwirthe ist die einzige im Kreis Borken. Ziel von Peta sei ein komplettes Verbot der Pelztierhaltung, sagt Ehmann. „Pelz ist ein unvorstellbar grausames Tierqualprodukt und muss vom Verbraucher boykottiert werden.“

Zuständig für die Kontrolle der Gemenwirther Nerzfarm ist das Veterinäramt beim Kreis Borken. Laut Kreis-Sprecherin Andrea Hertleif wird der Betrieb Anfang kommender Woche begutachtet. Unabhängig vom Fortgang der gerichtlichen Auseinandersetzung gelte dann die neue Nutztierhaltungsverordnung. Klar ist aber jetzt schon, dass die Kreis-Veterinäre die Gemenwirther Nerzfarm in unverändertem Zustand vorfinden werden. Wie dann vorgegangen wird, werde mit dem Ministerium abgesprochen, sagt Andrea Hertleif.

Autor: Markus Schönherr
Tel: 02861 944-168

Artikel bewerten

3.3
3,3 (6 Stimmen)

Kommentare (0)

Für bereits registrierte User:
Einzelne Services und Angebote stellen wir nur registrierten Lesern zur Verfügung.
Eine Registrierung kostet Sie keinen Cent.
Werbung

Lokalnachrichten im Film

Werbung
Werbung

Facebook

Twitter