Kauczor bewältigt 7.344 Höhenmeter

Der Klein Rekener Rainer Kauczor auf der Radebeuler Spitzhaustreppe. Am Ende stand Platz 22 in der Gesamtwertung zu Buche.privat
Der Klein Rekener Rainer Kauczor auf der Radebeuler Spitzhaustreppe. Am Ende stand Platz 22 in der Gesamtwertung zu Buche.privat


Klein Reken. In 23 Stunden und 32 Minuten über 70 Kilometer gelaufen, 65.902 Treppenstufen bewältigt, dabei 7344 Höhenmeter erklommen und sagenhafte 18.500 Kalorien verbrannt: Das war Anfang Mai das Wochenende für Rainer Kauczor, 53-jähriger Ultra- bzw Extremsportler aus Klein-Reken, der an der wohl härtesten Eintages- Sportveranstaltung der Welt teilnahm.

In Radebeul bei Dresden gibt es die Spitzhaustreppe, die 88,48 Meter hoch ist und 397 Stufen hat. Ziel des Wettkampfes ist es, 100 Mal diese Treppe (also 39.700 Stufen herauf und 39.700 Stufen wieder herunter) zu laufen. Und damit 8.848 Höhenmeter zu erklimmen, also symbolisch den Mt. Everest zu besteigen. Zusätzlich werden pro Runde noch einmal einige hundert Meter gelaufen, so dass man bei 100 Runden auf eine Gesamtstrecke von 84,4 km kommt. Diese Entfernung entspricht einem Doppelmarathon. Kauczor: „Für diesen Wahnsinn hat man genau 24 Stunden Zeit.“


60 Teilnehmer waren in diesem Jahr zugelassen. Darunter ein Weltmeister im Treppenlaufen, ein mehrmaliger Weltrekordinhaber, viele Berglaufspezialisten aus der Schweiz und Österreich und weitere Spitzensportler der Ultramarathon-Szene aus mehreren Ländern: Ein internationales Spitzenfeld (die spätere Siegerin der Damen kam aus Abu Dhabi). Rainer Kauczor hat schon eine Menge Marathon- bzw. Ultramarathon Läufe absolviert, war aber noch nie länger als knapp vierzehn Stunden laufend unterwegs. Mut machte im Vorfeld des Laufes eine Karte, die die Veranstalter den Läufern am Samstagnachmittag mit auf den Weg gaben: „Ob eine Sache gelingt, erfährst Du nicht, indem Du darüber nachdenkst sondern indem Du es ausprobierst!“

Nach zwei Stunden war der Punkt erreicht, an dem Kauczor seinen Entschluss, sich in Radebeul anzumelden, zum ersten Mal bereute. Der Klein Rekener: „Weitere zwei Stunden später, ich war in Runde 19, hatte ich die Schnauze gestrichen voll. Nach vier Stunden Treppe taten mir die Beine weh und ich hatte schon drei Laufhemden völlig durchnässt gewechselt. Bei dem Gedanken, dass diese Tortur noch zwanzig Stunden anhalten sollte, ging meine Stimmung weiter bergab.“ Nach einer ganz harten Nacht bei nur fünf Grad war der Rekener am Morgen nach einigen Massagen und einer Stunde Ruhe im Feldbett immer noch im Rennen. „Jetzt musste erst einmal meine Musik her. Scooter und Nightwish jagten mich die Treppe rauf und runter. Nun hatte ich sogar so etwas wie Spaß an der Sache. Ich fing laut an zu lachen, als ich daran dachte, dass es kaum etwas Blöderes gibt, als 24 Stunden Treppen zu laufen. Aber jeder Meter zählte. Schließlich bekam ich von Sponsoren Geld für jeden Höhenmeter. Geld für den ambulanten Kinderhospiz-Verein Recklinghausen“, so Kauczor, der sich bis zum Ende durch biss. Ein nie erwarteter Platz 22 in der Gesamtwertung war die Bilanz, knapp 6000 Euro für den ambulanten Kinderhospizverein Recklinghausen lautete das finanzielle Resultat.


18 · 05 · 09




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