Ibbenbüren. Den anstrengendsten Teil seines Gastspiels beim HC Ibbenbüren hatte Handballweltmeister Holger Glandorf am Mittwochabend nach dem Training zu absolvieren. Da nämlich erfüllte der 26-Jährige geduldig die Autogrammwünsche der jungen Handball-Fans, die den Weg in die Halle Bockraden gefunden hatten. Und es waren eine Menge Dinge, die Glandorf entgegengehalten wurden, damit er sie mit seiner Signatur versehe: Trikots, Schuhe, Bälle - kaum ein Kleidungsstück blieb unbeschriftet.
Zuvor hatte der Rückraumspieler des Bundesligisten TBV Lemgo eine gute Stunde mit der männlichen C-Jugend des HC Ibbenbüren trainiert. Die Mannschaft von Trainer Martin Fluchtmann hatte die Visite des 2007er-Weltmeisters bei einem Wettbewerb gewonnen (wir berichteten). Mit einer Bewerbung, die den gebürtigen Osnabrücker mächtig beeindruckt hatte. „Die Jungs haben kräftig auf dem Bauernhof mitgeholfen“, so Glandorf, der in Hörstel Verwandtschaft hat. „Die Bewerbung war sehr einfallsreich, von daher haben sie sich das auch verdient.“ Einen alten Bekannten traf er in HCI-Herrentrainer Stephan Krems auch. Der ließ es sich nicht nehmen, seinen früheren „Assistenten“ zu begrüßen. „Holger war zu Osnabrücker Zeiten mal mein offizieller Mannschaftsbetreuer. Da war er 13, 14 Jahre alt und hat den Torhütern beim Warmmachen die Dinger draufgescheppert“, erinnert sich Krems.
Seine „neue“ Mannschaft hatte der 1,97-Meter-Mann jedenfalls im Sturm erobert. „Ich heiße Holger, ich beiße nicht“, stellte sich der Weltmeister vor - und schon war das Eis gebrochen. „Er ist ganz nett und dürfte gerne öfter kommen“, sagte Keeper Dominik Schnetgoecke. „Er ist ganz anders als im Fernsehen.“ Nur ein Spieler saß ein bisschen traurig am Rand: Timo Baune hatte vor einer Woche eine Blinddarm-Operation und konnte nicht mittrainieren. Den Besuch des Stars wollte er sich dennoch nicht entgehen lassen. „Es ist zwar traurig, aber auch schön zu sehen“, sagte Baune. „Es ist schön, so jemanden mal von ganz nah zu erleben.“ Ein Autogramm für den verletzten Spieler gab es selbstverständlich auch, ein Schuh musste herhalten.
Nach Aufwärmen, Einwerfen, Wurf- und Gegenstoßtraining kam dann für die jungen Handballspieler der Höhepunkt des Abends - ein Spielchen mit dem Weltmeister. Und da ging Glandorf zunächst zwischen die Pfosten. „Sonst tu ich mir noch was, und der Trainer dreht mir den Hals um“, so Glandorf lachend. Es dauerte nicht lange, da war er zum ersten Mal bezwungen. Simon Andresen netzte gekonnt ein. „Ein tolles Gefühl, gegen ihn ein Tor zu werfen. Das passiert nicht so oft“, jubelte der Schütze danach. Zum Ende des Trainings ging Glandorf dann auch noch mal ins Feld. Um 18.31 Uhr war es dann so weit: Der Weltmeister warf gegen Dominik Schnetgoecke sein erstes - und einziges - Tor für den HCI. Den überwundenen Torwart störte das nicht. „Ein Treffer vom Weltmeister ist das schönste Gegentor.“
Kein Wunder also, dass Glandorf mit seiner erfrischend unkomplizierten und offen Art einen Bombeneindruck hinterließ. „Das war gut, sehr gut“, sagte Steve Berlage. „Dass ich mit ihm gespielt habe, werde ich nie vergessen.“ Auch Simon Andresen fand nur lobende Worte für seinen „Interimscoach“. „Es war toll, dass er auch wirklich mit uns gespielt hat und nicht nur Anweisungen gegeben hat.“
Holger Glandorf selbst kam auch auf seine Kosten. „Ich hoffe, es hat Euch gefallen. Mir jedenfalls hat es Spaß gemacht.“ Den jungen Handballern ohnehin, vor allem, als sie erfuhren, dass sie die gleichen Übungen machten, wie der Bundesligist Lemgo höchstselbst. „Wir kochen auch nur mit Wasser“, sagt Holger Glandorf. Herrlich entwaffnend.