Stadt startet Sprachoffensive für Ausländer

Eine Zielgruppe der neuen Sprachoffensive 2009 der Stadt Rheine sind ausländische Frauen.
Eine Zielgruppe der neuen Sprachoffensive 2009 der Stadt Rheine sind ausländische Frauen.


Rheine. Murad S. lebt seit 40 Jahren in Rheine. Aber immer, wenn er einen amtlichen Brief bekommt, muss er seine Kinder oder Nachbarn bitten, ihm das Schreiben vorzulesen, weil er nicht gut genug Deutsch spricht. Murad S. ist kein Einzelfall. Viele der rund
10 000 Ausländer und Aussiedler in Rheine verfügen nur über mangelhafte Deutschkenntnisse.

Doch Sprache ist eine Basisqualifikation: Ohne Sprachkenntnisse keine Ausbildung, kein Job, keine Integration. Der Weg ins soziale Abseits ist dann oft vorprogrammiert. Deshalb hat die Stadt Rheine bereits 2004 eine Sprachoffensive gestartet, um die Deutschkenntnisse der in Rheine lebenden Migranten zu verbessern. Nun legt die Stadt noch einmal nach: Mit der Sprachoffensive 2009 sollen nun nicht nur Schüler, sondern auch deren Eltern und Großeltern Deutsch lernen können.


„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr heißt zwar ein deutsches Sprichwort. Aber das stimmt eben nicht“, kommentierte Vorsitzender Kamal Kassem die am Mittwoch im Integrationsrat vorgestellte Initiative. 15 000 Euro will die Stadt Rheine für die Sprachoffensive in diesem Jahr bereitstellen – bei entsprechender Nachfrage auch mehr. Das Thema werde mit Priorität behandelt, sagte Fachbereichsleiter Helmut Hermes.

„Wir wollen auch denjenigen eine Sprachförderung ermöglichen, die keinen Anspruch darauf oder Zugang dazu haben“, sagte Hermes. Neu ist nicht nur der Umfang, sondern auch das Konzept der Sprachoffensive 2009. Um die Hemmschwelle für den Besuch der Sprachkurse möglichst niedrig zu halten, finden die Kurse dezentral und in einer den Teilnehmern vertrauten Umgebung statt – im Gemeindesaal, in der Begegnungsstätte, in der Schule oder im Familienzentrum. Sobald mindestens zehn Anmeldungen vorliegen, kann es losgehen. „Wir haben einige Versuchsballons mit dezentralen Unterrichtsorten gestartet und damit gute Erfahrungen gemacht“, erläuterte Hermes.

Der Sprachunterricht umfasst einen kostenlosen Einstufungstest, alltagsbezogene Unterrichtsthemen, individuelle Förderung und intensive Prüfungsvorbereitung. Damit der Spaß beim Lernen nicht auf der Strecke bleibt, stehen auch Exkursionen zu lebensnahen Themen auf dem Stundenplan. Die Kosten bleiben mit 20 Euro pro Teilnehmer überschaubar. Die Dozenten für die Kurse stellt die Volkshochschule Rheine.
„Es ist ein zusätzliches Angebot der Stadt Rheine an die Teilnehmer, die keinen Anspruch auf einen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Sprachkurs haben“, machte Hermes deutlich.

▶ Weitere Auskünfte zur Sprachoffensive 2009 erteilt Fachbereichsleiterin Britta Hermes, ☏ 0 59 71 / 939-128, E-Mail: britta.hermes@rheine.de.

VON KLAUS DIERKES

29 · 01 · 09



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