Da bleibt nichts unentdeckt

Je bunter desto schlimmer: Während der Giebel etwa auf Außentemperatur ist, dringt die Heizwärme aus dem Erdgeschoss und erstem Stock durch Wand und Fenster nach draußen.Foto:
Je bunter desto schlimmer: Während der Giebel etwa auf Außentemperatur ist, dringt die Heizwärme aus dem Erdgeschoss und erstem Stock durch Wand und Fenster nach draußen.Foto:
(Thomas Niemeyer)


Lotte - Dieser Winter bringt an den Tag, was in den Regenzeiten vergangener Jahre verborgen blieb: Obwohl Fenster und Türen geschlossen sind, zieht es eisig in der Wohnung, und die Heizung hat Mühe, für wohlige Temperaturen zu sorgen. Mancher Hauseigentümer bereut beim Blick auf die Heizkosten, sich nicht schon längst an der Thermografieaktion beteiligt zu haben, die der Kreis Steinfurt und seine Kommunen anbieten.

Mit der aktuellen Aktion ist Diplomingenieur Ralf Siegmund schon weit fortgeschritten. Der Inhaber eines Lengericher Ingenieurbüros gehört zu den Fachleuten, die im Auftrag der Gemeinden und der Hauseigentümer die inhaltliche Arbeit leisten. Im Fall des Alten Rathauses in Alt-Lotte ist die Gemeinde zugleich der Eigentümer - und sie muss jetzt ganz tapfer sein: An dem 110 Jahre alten Gebäude haben Ralf Siegmund und seine 40000 Euro teure Infrarot-Kamera nämlich erheblichen Handlungsbedarf festgestellt.


Kreischend bunt erstrahlt die Fassade auf dem Thermogramm. Wärme enthüllendes Knallrot im Zentrum der Giebelfassade gipfelt an Fenstern und Türen in Weißglut. Grün- und Blautöne an allen Ecken und Kanten signalisieren Kälte. Zwar ist die Wärme bei plus vier Grad nur relativ, aber angesichts einer Außentemperatur unter Null kommt sie teuer zu stehen.

„Erfreulich sind Thermogramme, wenn sie einheitlich blaugrün zeigen“, erklärt Siegmund. Das belege, dass die Heizenergie in den vier Wänden bleibt. Eine Abweichung ins Gelbliche gesteht er allein den Fenstergläsern zu, die nun mal besser Wärme leiten als gut gedämmtes Mauerwerk, selbst wenn sie zwei- oder dreifach sind.

Fürs Alte Rathaus hat der Experte angesichts des Baujahres 1900 nichts Besseres erwartet. Aus dem offenbar gut beheizten Raum rechts der Eingangstür - es handelt sich um die Awo-Küche - dringt Wärme, wie Siegmund am Thermogramm sieht, durch die zwar dicke, aber ungedämmte Wand. Links vermutet er ein unbeheiztes Treppenhaus. Tatsächlich ist dort zunächst die Flurgarderobe und dann eine Toilette, wo ein gekipptes Fenster für grüne Thermofarbe sorgt.

Im ersten Stock ist rechts ein ungeheizter Raum, während das Polizeibüro so gar nichts Grünes an sich hat. Unterm Doppelfenster vermutet Siegmund zu recht den Heizkörper, der in einem ins Mauerwerk eingelassen steinernen Fensterbrett die ideale Wärmebrücke nach draußen findet: Weißglut! Der Dachboden ist unbeheizt.

Mehr als eine oberflächliche Diagnose lässt das Thermogramm nicht zu. Bevor Ralf Siegmund teure Sanierungsmaßnahmen empfiehlt, schaut er lieber genauer hin. Im Fall des Alten Rathauses ist ein allgemeiner Dämmbedarf jedoch offensichtlich. Da es sich um ein historisches Gebäude handelt, dürfte die Dämmung aber innen erfolgen. Fenster und Türen will er sich genauer ansehen.

In vielen Fällen empfiehlt der Architekt einen „Blower-Door-Test“, den sein Büro anbietet. Mit ihm kommt er undichten Stellen am sichersten auf die Schliche. Die haben, so seine Erfahrung, sogar in staatlich geförderten Niedrigenergiehäusern bereits kalte Füße und hohe Heizkosten beschert. Denn merke: Baupläne sind blanke Theorie. Eine in der Baupraxis vergessene Dichtung, eine verzogene Tür, eine offene Fuge führen sie ganz schnell ad absurdum. Doch Weißglut hat den Thermografen auf die heiße Spur gebracht.

Anmeldungen für die Thermografieaktion nimmt Kornelia Lauxtermann unter ' 05404/88953 entgegen.


08 · 02 · 10



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