Mit der Kälte verbündet

Im Winter 1634 hielten im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges die Hessen die Burg Lüdinghausen besetzt. Die zugefrorene Gräfte wurde ihnen zum Verhängnis. Die Angreifer überquerten damals das Eis problemlos.
Im Winter 1634 hielten im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges die Hessen die Burg Lüdinghausen besetzt. Die zugefrorene Gräfte wurde ihnen zum Verhängnis. Die Angreifer überquerten damals das Eis problemlos.
(Foto: Willi Kusenberg)


Lüdinghausen. Einen Blick in die Lüdinghauser Geschichte wirft die Serie „Geschichten zur Geschichte“, die die Westfälischen Nachrichten in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Westfälische Geschichte an der Volkshochschule Lüdinghausen in lockerer Folge veröffentlichen.

Lange kalte und windarme Zeiten, wie wir es in den vergangenen Tagen hatten, stellten in früheren Zeiten ein großes Problem dar, weil dann weder Wasser- noch Windmühlen arbeiten konnten und es keinen Mehlnachschub gab. Trotzdem sehnten die Menschen damals kräftige Winter herbei, weil dann die Wege gefroren waren und man Steine und Holz zu dieser Zeit gut transportieren konnte. Denn wenn es nicht gerade einen heißen Sommer gab, war es vor dem Beginn des Chausseebaus im 19. Jahrhundert kaum möglich, schwere Lasten auf den kaum befestigten Straßen zu transportieren. So warteten etwa auch die Stadtväter von Lüdinghausen immer auf das kalte Wetter, weil dann die in den gemeinen Marken geschlagenen Baumstämme zur Lippe gefahren werden konnten. Sie wurden geflößt und dienten zum Beispiel dem Schiffsbau in den Niederlanden. Wie verbreitet diese Vorgehensweise war, zeigt auch, dass es beim Wegegeld einen extra günstigen Tarif für das sogenannte Lipholz gab.

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Probleme bereitete dieses Wetter jedoch den Besitzern der Wasserburgen. Denn das Wasser hatte seine Schutzfunktion verloren, weil die Burg über die Eisfläche leichter erobert werden konnte. Deshalb musste das Eis immer wieder gebrochen werden. Diese Arbeit oblag oft den abhängigen Bauern. Der Herr der Burg Lüdinghausen verlangte auch von den Bewohnern der Freiheit und der Stadt, dass sie das Eis brechen sollten. Letztere sahen dies jedoch nicht immer ein. Als Johann von Velen sie dazu im Jahr 1600 aufforderte, meinten sie zwar, sie hätten sporadisch Eis gebrochen, aber ein Gewohnheitsrecht könne der Herr nicht davon ableiten. Daraufhin untersagte der Amtsherr den Lüdinghausern, bestimmte Rechte der Viehdrift wahr zu nehmen und den Markt abzuhalten.

Wie wichtig das Eisbrechen war, zeigte ein Vorfall aus dem Dreißigjährigen Krieg. Im Februar 1634 hatte die hessische Kriegspartei im südlichen Münsterland das Sagen. Ihre Truppen lagen auf den Burgen Vischering und Lüdinghausen. Von dort aus machten die Soldaten immer wieder Ausfälle, um Proviant zu beschaffen und Steuern einzutreiben. Die Lüdinghauser Bevölkerung hatte sich über die hessischen Abgaben beim Domkapitel in Münster beschwert. Dieses plante zunächst, um weitere Ausfälle zu verhindern, die Stadt und die Burgen Vischering und Wolfsberg zu besetzen.

Schließlich entschied man sich dazu, den Feldherrn Alexander von Velen mit der Eroberung der Burg Lüdinghausen zu beauftragen. Dieser marschierte auf Lüdinghausen zu. Da in der Nacht vom 5. auf den 6. Februar die Gräfte zugefroren war, konnten die Soldaten über die Außengräfte auf die Freiheitsinsel (heute das Gebiet zwischen Peperlake und Torhaus) gelangen. Da zudem auch noch Nebel herrschte, wurden sie erst sehr spät von der Burgbesatzung entdeckt.

Obwohl die Hessen mit der auf dem großen Turm stehenden Kanone schossen, gelang es den Angreifern, Schanzgräben anzulegen und Teile der Vorburgmauer wegzusprengen, so dass sie nach vier Tagen die Bauhausinsel erreichten. Nun mussten sie noch die Innengräfte und das Tor der Hauptburg überwinden. Dieses war natürlich gut gesichert, darüber hinaus hatten die Hessen die Brückenbretter entfernt. Da das Eis aber an dieser Stelle offensichtlich nicht trug, sind einige Soldaten über die in der Gräfte vorhandenen Brückenpfähle balanciert, um eine Sprengladung an das Tor anzubringen.

Damit war das Schicksal der Hessen auf Burg Lüdinghausen besiegelt.


10 · 01 · 09



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