Coesfeld. Bezirksschornsteinfegermeister Alfons Schlüter aus Coesfeld ist wie viele seiner Kollegen derzeit öfter als sonst unterwegs - wie jedes Frühjahr. "Es ist die Zeit, in der Dohlen in Kaminen und Schornsteinen ihre Nester bauen", weiß der erfahrene Schornsteinfeger. Und er kennt auch die tödlichen Gefahren, die die ungebetenen Gäste mit sich bringen können. "Schlimmstenfalls kann es im Wohnhaus zu einer Kohlenmonoxydvergiftung kommen, wenn der Rauch nicht mehr abziehen kann". Für die Bewohner unbemerkt, weil die Abgase geruch- und geschmacklos sind. Bemerkbar macht sich das Gas durch beschlagene Spiegel und Fenster und feuchtwarme Luft im Heizungsraum.
Einsatzort Wohngebiet Brink in Coesfeld. Seit Tagen kreisen Dohlen verdächtig tief über die Schornsteine verschiedener Wohnhäuser. In einem Haus drinnen sind im Kaminbereich verdächtige Geräusche zu hören - trotz Dohlengitters auf dem Schornstein. Der zuständige Schornsteinfeger Alfons Schlüter wird gerufen und findet in einem der drei Züge des Kamins ein dichtes Nest aus jeder Menge Reisig, Moos und Gras. Die Dohlen hatten sich ein besonders warmes Plätzchen ausgesucht, denn im Schacht nebenan gelangen durch ein Edelstahlrohr die Abgase der Erdgasheizung ins Freie. "Sie haben ganze Arbeit geleistet", stellt Schlüter anerkennend fest, während er den Kaminzug gründlich reinigt. Trotz Dohlengitters? Alfons Schlüter steigt aufs Dach und hat bald die Erklärung. Das Gitter ist auf Schienen montiert und kann zur Reinigung des Kamins durch den Schornsteinfeger verschoben werden. Schlüter schmunzelt: "Dies haben auch die Dohlen herausgefunden.". Schlüter arretiert den Schutz, fortan wird Ruhe herrschen.
Mit ihrem Nest hätten die Dohlen zwar keine Kohlenmonoxydvergiftung auslösen können, wohl aber andere unangenehme Begleiterscheinungen. An den Kaminzug ist die Dunstabzugshaube der Küche angeschlossen und der Abzug hätte über kurz oder lang nicht mehr funktioniert. Wenn sich die Dohlen aber in einem absolut still gelegten Kaminschacht niederlassen, ist das kein Problem. Schlüter: "In der Regel brüten sie dort vier bis fünf Junge aus".
Um sicher zu gehen, dass sich keine Dohlen in einen benutzten Kamin einnisten, sollten Bürger einmal mehr ihren Blick auf das eigene und auch auf das Haus des Nachbarn werfen. Schlüter: "Meistens bemerken die Hausbewohner selbst nicht, was sich über ihren Köpfen abspielt". Im Zweifel sollte der zuständige Schornsteinfeger gerufen werden, zumal sich die Dohlen neuerdings auch schon mal Edelstahlrohre mit direktem Anschluss an die Heizungsanlage als Nistplatz aussuchen, die sie bislang für den Nestbau als ungeeignet empfunden haben.
Im aktuellen Fall hatte es Schlüter nicht weit. Er überprüfte im Wohnhaus nebenan einen dreizugigen Kamin: In einem still gelegten Schacht fand er ein fast fertiges Dohlennest, in dem anderen eine ermattete Wildtaube - sie gelangte durch ihn wieder in die Freiheit. Und damit weder Taube noch Dohle erneut im Kamin landen, brachte er auf dem Schornstein Dohlengitter fest an.
Schlüter: "Das ist der beste Schutz."