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"Wir essen zu viel Fleisch"

Claudia Leibrock, Fachfrau für Agrarpolitik und Landsoziologie.
Claudia Leibrock, Fachfrau für Agrarpolitik und Landsoziologie.


Billerbeck. Das Thema traf offenbar ins Schwarze. Der Saal in der Alten Landwirtschaftsschule in Billerbeck war am Mittwochabend bis auf den letzten Platz gefüllt, als drei Experten auf Einladung der Bürgerinitiative für die Werterhaltung der Region Billerbeck (BIB), die sich unter anderem gegen Hähnchengroßmastanlagen wendet, über industrielle Massentierhaltung aus christlicher und moralisch-ethischer Sicht diskutierten. "Wie viel Fleisch erträgt die Welt?" lautete die Frage. Die drei Podiumsteilnehmer Dr. Rainer Hagencord (Gründer und Leiter des Instituts für Theologische Zoologie der Uni Münster), Dr. Rudolf Buntzel (Beauftragter für Welternährungsfragen des Evangelischen Entwicklungsdienstes) und Claudia Leibrock (Fachfrau für Agrarpolitik und Landsoziologie), die von Bernd Müller (Referent am Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen) befragt wurden, waren sich einig, dass das Maß des Erträglichen bereits übervoll ist, der Fleisch-Kollaps gleich dreifach droht: bei der menschlichen Ernährung, beim Tierschutz und beim Klima.

Der katholische Theologe Hagencord musste erst einmal erklären, was Theologische Zoologie überhaupt ist: "In der jüdisch-christlichen Überlieferung kommt dem Tier selbstverständlich eine kreative Würde zu, weil Mensch und Tier radikal aufeinander bezogene und voneinander abhängige Geschöpfe und Partner Gottes innerhalb eines Bundes sind", sagte er. Er stellte klar, dass nur der Mensch Verantwortung für die Schöpfung übernehmen könne und müsse.



Dr. Rudolf Buntzel, Beauftragter für Welternährungsfragen des Evangelischen Entwicklungsdienstes.
Dr. Rudolf Buntzel, Beauftragter für Welternährungsfragen des Evangelischen Entwicklungsdienstes.
(Fotos (3): mvo)


Buntzel, Autor des Buches "Das globale Huhn", ging vor allem auf das weltweite Leid der Hühner ein: Heutzutage sei kein Tier so globalisiert und industrialisiert worden wie dieses: "Die größten Verbraucher sind die Brasilianer. Dort gibt es Anlagen mit einer Million Hühnern und mehr." Sie müssten dafür 150 Millionen Tonnen Soja pro Jahr importieren. Die Bauern, unterstrich er, seien "das letzte Glied in der Kette": "Durch Knebelverträge sind sie an die Konzerne gebunden, mit strengen Vorgaben bei der Aufzucht der Hühner."


Rainer Hagencord, Theologe an der Universität Münster.
Rainer Hagencord, Theologe an der Universität Münster.


Leibrock beleuchtete das Thema vor dem Hintergrund der "Erfolgsgeschichte" der Landwirtschaft: "Ihre Produktivität ist in Deutschland in den letzten 17 Jahren um 86 % gestiegen." Das Fleisch habe einen Anteil von rund einem Viertel an der gesamten landwirtschaftlichen Erzeugung. Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland: 53 kg vom Schwein, 12 kg Rind und 18 kg Geflügel. Leibrock: "Wir essen zu viel Fleisch." Und das sei auch für das Klima ein Problem, denn die Fleischproduktion, legte sie die Finger in die Wunde, sei extrem klimaschädlich. Sie empfahl für eine gesunde Ernährung und auch als Klimaschutzmaßnahme den guten alten Sonntagsbraten mit maximal 300 Gramm pro Person in der Woche.

In der anschließenden Diskussion wurde Leibrock gefragt, wie man Massentierhaltung definiere. Sie antwortete, dass bei den derzeit geltenden Verordnungen sei eine "artgerechte Haltung nicht mehr möglich" sei. Es komme nicht auf die Menge der Tiere an, sondern auf die Art und Weise, wie sie gehalten werden. Dr. Buntzel stimmte Frau Leibrock zu, dass man durch Reduzierung des Fleischkonsums zu artgerechterer Tierhaltung kommen könne. Großen Beifall gab es beim Zuruf aus dem Publikum: "Wir müssen herunter von der Massentierhaltung!"


11 · 03 · 10
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Weil´s so schmeckt!
fuerTiere! - Sie haben vollkommen Recht!

Aber, das können sie allen anderen erzählen, aber nicht Menschen, die Fleisch essen und essen und essen und ……..u.s.w.. Denn die wurden von der „freien“ Marktwirtschaft gehörig zum Fleisch- und Wurstverzehr verdorben.

Systematisch haben die Erzeuger aus Profitgier die Tiermassen nach oben gejubelt und dem Verbraucher über „moderate Preise“ (wie die wohl wieder entstanden sind? - ist Ekel erregend, darüber zu reden ) den zügellosen Fleischverbrauch durch Massenangebote eingeimpft.

Der Fleisch- und Wurstverzehr sitzt bei den meisten Menschen fest verankert, wie bei Rauchern auch, unverrückbar in Mitten der Lebensgewohnheiten.

Keine CO2-Predigten, keine Erzählungen, wie viele Menschen auf Grund dessen tägl. in anderen Ländern verhungern müssen, wie sehr wir die eigenen Böden und unser Trinkwasser mit Abfall-Lasten aus den Mästereien verseuchen. Das alles interessiert die Menschen überhaupt nicht.
Sie sind und bleiben, jeder für sich alleine, Egoist mit dem Hang zur sich Selbstvöllerei und alles andere ist ihnen egal.
Ob die anderen oder die Welt krepieren, ist doch egal. Hauptsache ich lebe noch gut, und was mit meinen Kindern später Mal ist? Na der Herrgott wird es schon richten - dann kann ich ja wieder meine Augen verschließen und weiter genießen.

Das Essen gehört zum Selbsterhaltungstrieb an oberster Stelle. Artet es durch schlechte Einflüsse zum Fressen aus, wird das ganze zur Sucht, und der Fresser wird unberechenbar und zur tödlichen Gefahr für Menschen in den Drittländern und auch nicht umkehrbar.
Daran wird unsere Menschheit einmal zugrunde gehen - an der Verwüstung unserer Erde, den Verteilungskämpfen und an den Krankheiten und ihre Kosten, die sich hinzugesellen.

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Etwa 7 kg (!) Getreide werden benötigt,
um z.B. 1 kg (!) Rindfleisch zu erzeugen. Ein Drittel der globalen Getreideernte wird an sogenannte Nutztiere verfüttert, während jeden Tag 40.000 Menschen an Hunger sterben!

Allein ein Drittel aller deutschen Rinder wird mit Futter versorgt, das aus Südamerika stammt. ,,Dort brennen die Regenwälder und Savannen, weil sie Sojafeldern weichen müssen, die Kraftfutter für deutsches Vieh liefern". (SPIEGEL 06/2001)

Heute bevölkern allein 1,3 Milliarden (!) Rinder die Erde. Ihr Lebendgewicht übertrifft das der gesamten Menschheit fast um das Dreifache! Ein einziges Mastrind verbraucht 600.000 Liter Wasser für den Anbau seines Futters. Und in einem Mastbetrieb mit 10.000 Tieren fallen an einem einzigen Tag 200.000 kg (!) Dung an, der die Böden verseucht!

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