„Geh´ weg, Du alte Ziege!“
Reken (lie). Geh´ weg, Du alte Ziege!“ Wer lässt sich so etwas schon gern sagen? Auch die sechs neuen zusätzlichen Betreuungskräfte in den Rekener Altenheimen nicht, die sich um demenzkranke Bewohner kümmern. Aber die Frauen haben in einem 160-stündigen Kursus gelernt, dass sie solche Äußerungen nicht persönlich nehmen dürfen.

Und trotz Beschimpfungen, die noch wüster ausfallen können, sagen alle neuen Kräfte in den Altenheimen St. Ludgerus in Groß Reken und im Haus Maria Veen einhellig: „ Es ist anstrengend, aber wir bekommen auch viel zurück.“


Werde man beschimpft, müsse man manchmal für ein paar Minuten weggehen oder mal weghören - eine Generalregel gebe es nicht. Nur eines dürfe man nicht: dagegen reden.

„Gefragt sind Menschlichkeit, Wärme und Einfühlungsvermögen, sagt Manfred Lehmkuhl, der Leiter des Hauses Maria Veen und der beiden Altenheime. Wichtig sei die persönliche Eignung. Insgesamt rund 100 Stunden arbeiteten die sechs Damen in den beiden Häusern.

Die Kosten für das zusätzliche Personal, das nach dem Caritas-Tarif entlohnt wird, tragen die Pflegekassen im Rahmen der vereinbarten Vergütungssätze, sodass die betroffenen Bewohner nicht finanziell belastet werden.

Unter den sechs Betreuungskräften in Reken sind eine Näherin, eine Bürokraft und eine gelernte Altenpflegerin sowie drei Hauswirtschafterinnen. Nachdem einige aus dem Sextett zunächst etwas unsicher waren, ob sie den Anforderungen gewachsen seien, haben sie schnell Fuß gefasst und freuen sich über die abwechslungsreiche Arbeit, die zwischen 2,5 und sechs Stunden am Tag dauere. Lehmkuhl legt aber auch Wert auf Flexibilität, zum Beispiel wegen außergewöhnlicher Veranstaltungen.

Während Elisabeth Löbbing gern mit den alten Menschen backt oder kocht, spielen andere Mensch ärger´ Dich nicht, singen, basteln oder gehen mit den Senioren spazieren - oder zum Karneval oder in den Zirkus.

„Und sie haben Spaß an Kindern“, sagt Karolina Perajica. Auch Haustiere kämen bei den Senioren gut an, berichtet Tatjana Röttger. Lehmkuhl freut sich, wenn Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Einrichtungen aufgebaut werden.

Am schwersten sei es, so berichtet eine Frau, wenn ein Demenzkranker einen Durchhänger habe und weine. Dann nehme man ihn in den Arm und versuche zu trösten - manchmal helfe auch Vorlesen.


10 · 03 · 10



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