Babysimulatoren? „Nein, Babys!“

Beatrix Ratermann übergibt die Säuglinge der Tagespflege.
Beatrix Ratermann übergibt die Säuglinge der Tagespflege.
(Fotos: Liebetanz)


Von Frank LiebetanzGroß Reken. „Das sind keine Puppen, sondern Babys!“ So empörten sich gestern die 13 Mädchen im Alter zwischen 13 und 16 Jahren, die sich vier Tage und Nächte lang jeweils um eine Babysimulator-Puppe gekümmert hatten. Die Overbergschule hatte mit dem Sozialdienst katholischer Frauen in Bocholt dieses Projekt „Elternpraktikum“ angeboten.

Morgens, wenn sich die Schülerinnen mit der Pädagogin Beatrix Ratermann und den Lehrerinnen Ulrike Hiermes und Elke Röscher im Pfarrheim St. Heinrich trafen, übergab die Pädagogin mit einem Lesegerät die Obhut der Babys an eine virtuelle Tagespflege. „Morgens sind die Kinder im Hort“, erklärte sie. Ansonsten mussten die Mädchen rund um die Uhr die Bedürfnisse der Säuglinge stillen: Fläschchen geben, wickeln, wiegen und etwas gegen das Aufstoßen unternehmen. Die Kleinen können nörgeln und schreien, aber auch Laute des Glücksgefühls von sich geben. Hält man nicht die Hand unter dem Kopf, „kreischt das Kind wie am Spieß“, berichtet ein Mädel. Und alles wird registriert und über den Computer abgerufen. Das wäre auch bei Misshandlungen oder Schütteln der Fall.



Insgesamt 13 Mädchen kümmerten sich um ihre „Babys“.
Insgesamt 13 Mädchen kümmerten sich um ihre „Babys“.
(Fotos: Liebetanz)


„Die Nacht wird zum Tag“, sind sich die Schülerinnen aus der achten und neunten Klasse einig. Denn das Kind weiterreichen geht nicht, da ein Sensor am Handgelenk der „Mutter“ dem Simulator beweist: „Die Mama ist da.“ Welches Bedürfnis die Kinder haben, sei schnell klar gewesen, so Aldina Catic.

„Man pennt gerade ein und dann schreit es wieder“, berichtet ein Mädchen. Trotz der kurzen Nächte stimmen aber alle Lena Schoppen zu: „Ich will das Kind noch behalten.“ Allerdings schränkt eine andere Schülerin ein: „Wenn, dann mit Steuergerät.“ Die Jungen fanden die Mädchen mit Baby toll, wollten es selbst mal halten. Und selbst die, die das Baby erst „doof“ fanden, interessierten sich später für den Säugling. Die Haustiere in den Familien reagierten unterschiedlich. In einem Fall legte sich die Katze neben den Simulator, in einem anderen bellte der Hund die Puppe an, wenn sie einen Ton von sich gab.

Die Eltern freuten sich, dass ihre Töchter diese Erfahrungen sammelten und die Pädagogin war angenehm überrascht darüber, dass die Mädels im Vorfeld sich eigenständig um alles gekümmert hatten: von der Kleidung bis zum Kinderwagen.

In zwei Wochen werden die Ergebnisse besprochen.


03 · 04 · 09



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