Dingden - Karneval und Alkohol - das eine ist fast undenkbar ohne letzteres. Wenn es nicht ausartet, ist ja auch nichts gegen ein Bierchen einzuwenden. Seit einigen Jahren werden aber zunehmend Behörden, Drogenberater und Jugendschützer in der heißen Karnevalsphase aktiv, wenn es um den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen geht. Erst kürzlich gab es im Kreishaus Wesel dazu eine erste Sitzung, die ein neues Jugendschutzkonzept zum Ziel hat. Der Karnevalsclub Dingden ist jetzt einen eigenen Schritt gegangen. Mit Julia Ahrens hat der Verein eine eigene Jugendschutzbeauftragte ernannt. KCD-Chef Ewald Kemmler wollte für diese Aufgabe eine junge Person haben, die auch die Sprache der Jugend spricht.
Die 20-jährige Dingdenerin kam schon als Grundschülerin zum KCD. Ihre Freundin Mounira Kazwini tanzte damals schon bei der Garde, und Ahrens wolle auch Tanzmariechen werden. Sie trat in die Juniorengarde ein und wechselte später in die Seniorengarde. Inzwischen ist ihre zwölfte Session beim KCD angebrochen. Allerdings hat sie inzwischen das Tanzen aus beruflichen Gründen an den Nagel gehängt. Allerdings trainiert sie noch mit Kirsten Huwe zusammen die Seniorengarde. Vor kurzem fragte der Vorstand, ob sie die neue Aufgabe als Jugendschutzbeauftragte übernehmen wolle.
Ihre erste Aufgabe soll erst einmal sein, in den eigenen Reihen auf die Einhaltung der Regeln zu achten. Denn solche Regeln gibt es schon länger, gerade bei der Seniorengarde, wo 16- bis 29-jährige Tänzerinnen aufeinandertreffen. Die erste Regel dort: Das erste Bier gibt es erst nach dem letzten Auftritt. Das hat schon Sicherheitsgründe, sagt Ahrens mit Blick auf einige Hebefiguren der Gardistinnen. Für die Tänzerinnen unter 18 Jahren muss dann auch noch eine Einverständniserklärung der Eltern vorliegen, dass die Jugendlichen danach ein Bier trinken dürfen. „Eine Garde ist das Aushängeschild des Vereins“, sagt Ahrens. Deswegen müsse man dort auch beim Jugendschutz anfangen.
Auch bei der Crazy-Friday-Party wird sie als Jugendschutzbeauftragte im „Dienst“ sein. „Da kommen die Jugendlichen, die feiern wollen“, und da wird auch gerne schon mal vorgetrunken, durchaus auch mit hartem Alkohol oder Eigenmischungen. Beim Eintritt wird der KCD die Ausweise verlangen und bunte Bändchen verteilen, so dass man die Unter- und die Über-18-Jährigen unterscheiden kann. Dann kann man auch nach Mitternacht das U18-Publikum nach Hause schicken. Außerdem werden Jugendschutzplakate im Zelt hängen. Ahrens muss den Kontakt zur Security halten und im Zweifel auch zum Ordnungsamt, falls die Mitarbeiter vorbeischauen.
Natürlich müsse man „nach dem Crazy Friday gucken, was an Verbesserungen möglich ist“, sagt Ahrens. Von den bunten Bändchen weiß man, dass sie auch gerne mal getauscht werden. Da ist es dann doch der Vorteil, dass Dingden so überschaubar ist: „Hier kennt man ja die meisten Leute.“