Sinn, Unsinn und Sinnlichkeit

Ein Klavier, ein Klavier: Jürgen von der Lippe erfüllt sich einen Traum und lernt das Tastenspiel  während seiner Tournee. In seiner Garderobe im Vennehof versucht er sich an der Titelmelodie des Films "Die fabelhafte Welt der Amélie".
Ein Klavier, ein Klavier: Jürgen von der Lippe erfüllt sich einen Traum und lernt das Tastenspiel während seiner Tournee. In seiner Garderobe im Vennehof versucht er sich an der Titelmelodie des Films "Die fabelhafte Welt der Amélie".
(Foto: Berger)


Borken. Jürgen von der Lippe trat wegen der großen Resonanz diese Woche gleich zwei Mal in Borken auf. Zwischen seinen Auftritten unterhielt sich BZ-Redakteur Peter Berger mit von der Lippe über dieses und jenes und das eine.

BZ: 30 Jahre auf der Bühne. Kennen Sie da noch Lampenfieber?


Von der Lippe: Nein. Ich habe es nie kennengelernt. Insofern kann ich Lampenfiebrigen leider auch kein Gegenmittel empfehlen. Sehen Sie mich an: Sieht so Entspanntsein aus? So isses. Etwas anderes ist die Aufregung vor einer Premiere. Da gehen einem dann Fragen durch den Kopf, ob die Dramaturgie stimmt und das Drumherum. Der Auftritt hier in Borken ist der erste nach mehreren Wochen, also eine Art Mini-Premiere. Aber da ich keinen Gedächtnisschwund spüre, wirds schon schiefgehen.

BZ: Was bekommt man oben von der Bühne eigentlich vom Publikum mit?

Von der Lippe: Ich könnte jetzt nicht sagen, ob letztens in der dritten Reihe rechts eine blonde Dame und in der fünften Reihe ein hüstelnder Herr gesessen hätte. Ich sehe die Leute und sehe sie auch wieder nicht. Wenn der ganze Saal hell erleuchtet wäre, würde ich vielleicht mitbekommen, dass nicht alle lachen. Dann wäre die Illusion hin.

BZ: Sie sind im Sommer 60 geworden, die Rente mit 67 ist inzwischen Gesetz. Wie sieht Ihre weitere Karriereplanung als 60plus-Comedian aus?

Von der Lippe: 60plus-Comedian ist gut (grinst). Eine Altersgrenze nehme ich für mich nicht in Anspruch. Ich probiere alles aus, was mit Sprache zu tun hat, und das wird hoffentlich noch viele Jahre so sein. Neben meinem Bühnenprogramm habe ich meine Hörbuch-Projekte. Das fing an mit den kulinarischen Krimis von Carsten Sebastian Henn über die schrägen Werke des finnischen Autoren Arto Paasilinna bis hin zu Robin Hood und Kurt Tucholsky. Dann meine Ausritte zu klassischen Gedichten. Das Lesen ist ein sinnlicher Vorgang, den ich sehr genieße. Außerdem spiele ich Theater und schreibe einen Roman. Was den Roman angeht, der ein komischer sein wird, so gebe ich mich keinen Illusionen über die Bereitschaft des Publikums hin, mir auf allen Wegen zu folgen.

BZ: Wie ernst nehmen Sie Kritiker, die Ihnen in Ihren Bühnenprogrammen eine gewisse Zotenlastigkeit vorwerfen?

Von der Lippe: Diese Kritik hat ja schon son Bart. Aber was solls, ich kann damit leben. Was in angelsächsischen Lehrbüchern steht, wird hierzulande gelegentlich ausgeklammert: Dass das Thema Sex als Stilmittel eingesetzt wird. Wer das kritisiert, müsste einen Aktmaler ja auch fragen, warum der Akte malt.

BZ: Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer einsamen Insel, zu der nur deutsche Comedians Zutritt haben. Welche drei Berufskollegen würden Sie einladen?

Von der Lippe: Nichts gegen Männerrunden, aber ich würde mich für Ina Müller entscheiden. Sie ist eine tolle Sängerin mit ausgeprägt kabarettistischer Ader, siehe "Queen Bee". Wie sie die Klischees von Frauen und Männern aufgreift, ist einfach köstlich. Außer Ina kommt mir übrigens keiner auf die Insel.


12 · 09 · 08



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