Der Weltenbummler: Gebürtiger Münsteraner drehte Tierfilm in Namibia
Andreas Ewels mit der Tannenzapfenechse.
Münster/Wiesbaden. Andreas Ewels war schon überall auf der Welt. Wenn man ihn fragt, wo’s sich wohl schön leben ließe, nennt er Orte wie Christchurch in Neuseeland oder Mérida, Mexiko. Im Gespräch wechselt er ab und an ins Englische, immer dann, wenn ihm das deutsche Wort nicht einfällt. Etwa wenn er verrät, dass seine Frau zwölf Sprachen spricht. „Allerdings nicht alle. . .fluently“ – nicht fließend also.
Andreas Ewels ist Filmemacher, Reporter und Regisseur. Nach Zwischenstationen bei privaten Sendern arbeitet er derzeit hauptsächlich fürs Zweite Deutsche Fernsehen. Der 39-Jährige hat sich mit Tierfilmen einen Namen gemacht, Folgen der Doku-Reihe „Expeditionen ins Tierreich“ gedreht. Am 19. Januar läuft seine Film-Exkursion „Abenteuer Namib“ im Ersten.
Dass er heute, so kurz nach Weihnachten, durch den Allwetter-Zoo stiefelt, hat einen einfachen Grund. Andreas Ewels ist in Münster geboren, seine Eltern und viele seiner Freunde leben noch hier. Und nun hat er sich zum Foto-Termin überreden lassen. Was sich allerdings nicht ganz einfach gestaltet.
Endlich ein Tier, das tatsächlich in Namibia beheimatet ist: das Erdmännchen.Fotos: Wilfried Gerharz
Die Giraffen, durchaus in Namibia zu Hause, stehen an diesem klirrend kalten Tag lieber in ihrem Haus herum und kauen Heu. Die Reptilien im Tropenhaus entstammen aller Herren Länder, bloß nicht Namibia. Und die Tannenzapfenechse – eigentlich eine Australierin –, die Ewels ersatzweise auf die Hand nimmt, pinkelt dem Fernsehmann zutraulich aufs Sakko.
Der Wahl-Wiesbadener nimmt’s gelassen, nutzt gar die Gelegenheit zum belehrenden Beisatz, dass Tuchfühlung grade nicht der Job des Tierfilmers sei. Der inszeniere nicht, beobachte nur und halte sich respektvoll am Rande. Spannend sind die Geschichten, die Ewels später im Zoo-Café erzählt. Vom Dreh in Südafrika zum Beispiel, wo sie die Szene suchten: „Weißer Hai patrouilliert vor Kelpwald“. Einer Art Algenwald also, in dem sich Robben verstecken. Der Hai kann nicht hinein, aus Angst, stecken zu bleiben und zu ersticken. So wartet er also. Allein, nicht immer lässt sich der Meeres-Räuber auch blicken vor der Linse des Beobachters.
„Der Starfotograf von National Geographic wartete ein halbes Jahr auf dieses Motiv. Dann gab er auf“, sagt Ewels auf seine bedächtige Art. „Wir“, fügt er dann gedehnt hinzu, „waren zwei Tage vor Ort – und hatten’s im Kasten.“ Woran das lag? Der 39-Jährige zögert nicht lange: Glück und Können. Hatte er doch mit dem Unterwasserfilmer Thomas Behrend und der Fernseh-Wissenschaftsautorin Birgit Peters zwei gute Fachleute in seinem 30-köpfigen Team.
Andreas Ewels trinkt heute Kakao. Eigentlich bevorzugt er Rooibos-Tee, den er sich gerne von seinen Reisen mitbringt. „Eine Obsession ist das aber nicht“, winkt er unkompliziert ab. Was würde er tun, sollte er im Münsterland einen Tierfilm drehen? Da lacht der Weltenbummler, der schon als Junge Jacques Cousteau verehrte, und dreht die Tasse in den Händen. Das Venner Moor fällt ihm ein, die Dülmener Wildpferde, natürlich. „Oder warum nicht mal mit Spezialkameras und Mikroskopen das Leben in einem Baumstamm zeigen?“ Große Tiere kenne man doch längst in- und auswendig. Spannender und unglaublich vielseitig seien da doch die Kleinstlebewesen, an die käme man auch näher ran.
Und schon ist Ewels wieder bei „Abenteuer Namib“ gelandet – und der Namibischen Räderspinne. Einer, die bei Gefahr schlicht die Beine einziehe und Dünen hinabrolle. Vor Ort heißt sie übrigens „Dancing White Lady“, ihres Tango-artigen Tanzes wegen, der Feinde abschrecken soll.