Uni-Kliniken Münster richten Trauma-Ambulanz für Kinder und Jugendliche ein

Der Anblick von Unfallopfern oder der Tod naher Angehöriger überfordert viele Kinder und kann zu seelischen Verletzungen führen. (Symbolbild)
Der Anblick von Unfallopfern oder der Tod naher Angehöriger überfordert viele Kinder und kann zu seelischen Verletzungen führen. (Symbolbild)
(Foto: Colourbox)


Münster - Jeder weiß, was Erste Hilfe ist. Wenn ein Unfallopfer blutend am Straßenrand liegt, sollte man ganz schnell die Wunde verbinden - und den Krankenwagen rufen. Bei seelischen Verletzungen, in der Fachsprache Traumata genannt, sieht die Sache ganz ähnlich aus, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Wenn sie nach einem traumatischen Erlebnis, auf das sie mit Schlafstörungen und Angstattacken reagieren, nicht innerhalb von zwei Wochen behandelt werden, können sich dauerhafte Pro­bleme ergeben.

Prof. Dr. Heymut Omran und Dr. Martina Monninger von den Uni-Kliniken Münster (UKM) kennen sich gut aus mit der stationären Behandlung traumatisierter Kinder. Jetzt aber eröffnet die Uni auch eine Trauma-Ambulanz. Ermöglicht wird dies durch eine Kooperation mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der die Kosten übernimmt.



Sie besiegelten die Zusammenarbeit bei der Trauma-Ambulanz (v.l.): Prof. Dr. Heymut Omran, Dr. Martina Monninger, Prof. Dr. Norbert Roeder und Dr. Wolfgang Kirsch.Foto:
Sie besiegelten die Zusammenarbeit bei der Trauma-Ambulanz (v.l.): Prof. Dr. Heymut Omran, Dr. Martina Monninger, Prof. Dr. Norbert Roeder und Dr. Wolfgang Kirsch.Foto:
(kb)


„Wir freuen uns, mit dem UKM einen starken Partner zur Trauma-Versorgung zu haben“, erklärte am Montag Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. „Wir haben einen weißen Fleck auf der Karte weniger“, geht er davon, dass rund 50 Kinder und Jugendliche pro Jahr aus Münster und dem nördlichen Münsterland behandelt werden können.

Die Uni wurde auch deshalb als Partner gewählt, weil hier die Trauma-Experten mit Psychosomatikern und Kinderärzten zusammenarbeiten.

Bei leichteren Fällen genügen nach Auskunft der Oberärztin Dr. Monninger fünf Behandlungsstunden. Reicht dies nicht, stehen weitere zehn Einheiten auf dem Programm. Gedacht ist das Angebot für Kinder und Jugendliche, die Opfer von Gewalt, auch sexueller Gewalt, geworden sind oder die dergleichen im näheren Umfeld erleben mussten. Auch bei Amokläufen an Schulen, so Dr. Kirsch, könnte die Trauma-Ambulanz zum Zuge kommen. Am Ende der ambulanten Arbeit entscheiden die Ärzte und Therapeuten dann, ob eine weitere Behandlung erforderlich ist.

„Wir sehen nur die Spitze des Eisberges“, ist Prof. Omran sicher, dass viele Traumatisierungen unentdeckt bleiben. Der Anblick von Unfallopfern etwa oder der Tod naher Angehöriger würde viele junge Menschen überfordern.

VON KLAUS BAUMEISTER, MÜNSTER

18 · 05 · 10


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