Es muss nicht immer Monet sein

Lovis Corinth: Die Geigenspielerin (1900).Foto:
Lovis Corinth: Die Geigenspielerin (1900).Foto:
(Kunsthalle Bielefeld)


Bielefeld - Der französische Impressionist malte seinen Garten, der deutsche malte den Biergarten? Nein, auf eine solch plumpe Formel kann man die Unterschiede zwischen zwei nationalen Malstilen nicht reduzieren, auch wenn die Biergarten-Motive etwa eines Max Liebermann ähnlich bekannt sein mögen wie die Seerosen des französischen Impressionismus-„Erfinders“ Claude Monet.

Verständlich, dass die Kunsthalle Bielefeld bei ihrer Ausstellung des deutschen Impressionismus großen Wert auf die kleinen Unterschiede legt. „Hier sehen Sie nicht das, was Sie in Wuppertal sehen“, sagt Kunsthallen-Direktor Thomas Kellein mit Blick auf die Monet-Schau im Wuppertaler Von-der-Heydt-M;useum. Denn die deutschen Impressionisten, die nach Frankreich gingen und sich dort inspirieren ließen, interessierten sich gar nicht für den umstrittenen Meister Monet, sondern für diejenigen, denen er selbst nachgeeifert hatte, die Freilicht-Maler von Barbizon. So dass der deutsche Malstil, den unter anderem so bekannte Künstler wie Lovis Corinth, Max Liebermann und Max Slevogt prägten, eine parallele Entwicklung nahm und eben kein Impressionismus-Import war.

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Die Schau, die nach den Schauplätzen und Motiven der Malerei geordnet ist, empfängt ihre Besucher mit Gotthardt Kuehls „Braudiele in Lübeck“ als Beispiel einer malerei, die ihre Gegenstände auch „Im Haus“ findet. Das stimmungsvolle Gemälde von einem der vielen Künstler, deren Werke vielfach in Museumsdepots verharren, könnte die These der Kuratorin Jutta Hülsewig-Johnen stützen, der deutsche Impressionismus sei zugleich „der dunkle Impressionismus“. Tatsächlich hat sich etwa ein Hermann Pleuer abendliche oder nächtliche Motive für seine Eisenbahn-Bilder oder das von kleinen Lichtpunkten durchflimmerte „London bei nacht“ ausgewählt, und für seinen Kollegen Lesser Ury konnte es in den Berlin-Gemälden gar nicht nächtlich und regnerisch genug sein, um dunkle, verschwimmende Farben gegen wirkungsvolle Lichteffekte zu setzen. Wer allerdings die zitierte Monet-Schau in Wuppertal gesehen hat, wird sich ebenfalls an dunkel lechtende Eisenbahn-Bilder erinnern - und die Autolichter in Lesser Urys „Nächtlicher Szene am Kurfürstendamm“ strahlen in ganz ähnlicher Weise aus dem Dunkel wie Monets Lokomotiven-Lampen.

Kurios an der sehenswerten Schau in Bielefeld: Mit rund 180 Werken von 35 Künstlern hält sie ein flammendes Plädoyer für die unbekannten Seiten des deutschen Impressionismus, und über die Kühnheit Hermann Pleuers, der die „Dampf auslassende Lokomotive“ auf der Leinwand an die Grenze expressionistischer Farb-Explosionen treibt, kann man nur staunen. Doch wer ganz naiv durch die Ausstellung flaniert, um über Haus und Garten den Malern in „die Stadt“ oder ins Freie zu folgen, bleibt immer wieder an den Werken der drei Heroen hängen. An Max Liebermanns herrlichem Papageienmann natürlich oder an Corinths Geigenspielerin, deren Kleid seine große Wirkung nicht einem innovativen Designer, sondern einem revolutionär mit der Farbe arbeitenden Maler verdankt.

Corinths „Garten in Berlin-Westend“ übrigens und das Schwarze-Herren-Bild „Im Biergarten“ eines gewissen Albert Weisgerber zeigen, welches Spektrum der deutsche Garten-Impressionismus umfasst. Kontrastreich wie Bilder von Renoir und Monet.


19 · 11 · 09




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